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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 243

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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— 243 — unternommen werden, die Verleumdungen und Schmähungen des Judentums nicht geduldig zu ertragen, sondern den Kampf für die Ehre unseres Glaubens^ für das Lebensrecht des Judentums entschlossen aufzunehmen. Sie lehren uns, daß» Treue sich nicht in tapferer Abwehr, in liebevoller Verteidigung erschöpft,-sondern in aufbauender fruchtbarer Arbeit sich betätigt. Wir müssen vor allem für eines sorgen, dafür, daß unsere Religion wieder eine Lebensmacht wird, von der wir uns in unserem Denken und in unserem Tun bestimmen lassen. Ein lebendiges Judentum zu schaffen, das nicht nur eine blasse Erinnerung, sondern wirkende und gestaltende Kraft ist, das ist die Aufgabe, die wir zu lösen haben, die Treue, die das Judentum von uns verlangt. Wie diese Aufgabe zu lösen ist, darüber herrscht in unseren Tagen erregter Streit. Die einen erwarten die Rettung des Judentums vom Erwachen des jüdischen Volksbewußtseins, von der Wiedergeburt des jüdischen Volkes, die anderen verlangen die unbedingte Unterwerfung unter die religiöse Tradition, die gewissenhafte Beachtung all der Formen, die unsere Väter übten. Wir liberalen Juden aber sind der Ansicht, daß die Helden der Makkabäerzeit nicht für Israels nationale Größe, für völkische Ideale, sondern für ihren Glauben das Schwert geführt, daß sie nicht für äußere Formen und religiöse Bräuche, sondern für die ewigen Wahrheiten, für die sittlichen Ideale des Judentums ihr Leben hingegeben haben. Ohne die Bedeutung der religiösen Formen zu verkennen, suchen wir darum den geistigen Gehalt des Judentums in seiner Reinheit zu erfassen und ihm die Form zu geben, die unsere Zeit, verlangt. Weil wir ein lebendiges Judentum wollen, können wir nicht in den Begriffen und Vorstellungen vergangener Jahrhunderte denken, sondern versuchen eine Neugestaltung unserer Glaubenslehren, eine harmonische Verbindung überlieferter Wahrheit und neuzeitlicher Erkenntnis. Weil religiöse Formen nur als Ausdruck lebendiger Frömmigkeit für uns Wert besitzen, sind die überlieferten Zeremonien für uns nicht unveränderlich und unantastbar, halten wir uns für berechtigt, den Lebensbedingungen der Gegenwart Rechnung zu tragen. Auch in der neuen Form aber, die wir suchen, wollen wir Juden sein, unsere Treue gebietet uns, alles entschieden abzuweisen, was unsere religiöse Eigenart schwächen und bedrohen könnte, liberales Judentum darf nicht ein Kompromiß mit fremden Religionen werden. Indem wir so den Zusammenhang mit der Vergangenheit aufrecht zu erhalten suchen, das Erbe der Uberlieferung in die Zukunft hinüberretten, lohnen

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