Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 232 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2550626-2550633-2550644--274-2550996- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 232 — stelle für jüdische Wanderarmenfürsorge'' ins Leben gerufen,, eine Organisation, die sich über ganz Deutschland erstreckt. In allen Provinzen und Bundesstaaten sind Provinzialkassen und an den größern Landesgrenzorten Grenzkassen errichtet. Alle Kassen arbeiten Hand in Hjand, geben sich gegenseitig täglich Berichte und erhalten solche mehrmals wöchentlich von der Zentrale. Diese Fürsorgie bezweckt die Verminderung des Wanderbettelns, die Ausschaltung Unwürdiger, aber reichliche Unterstützung wirklich Bedürftiger. Das weitere Ziel ist die Arbeitsvermittlung, die richtige Leitung und Behandlung der Auswanderer und Rückwanderer. In den Dienst der Wanderarmenfürsorge ist auch die im Jahre 1900 vom D. J. G. B. geschaffene „Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee" gestellt. Der D. J. G. B. umfaßt etwa 1200 jüdische Gemeinden in Deutschland und alle bestehenden Gemeindeverbände. Nur einige Separatgemeinden halten sich ihm fern. Während der D. J. G. B. seine Tätigkeit nach innen zur Festigung der Gemeinden in ihren Aufgaben und Einrichtungen entfaltet, ergänzt ihn im Wirken für die Gesamtheit nach außen der „Verband der deutschen Juden". Dieser Verband besteht aus den Delegierten der Gemieindeverbände, der Gemeinden, und besonderer Korporationen, z. B. der Rabbiner- und Lehrerverbände. Sein statutarischer Zweck ist die Vertretung aller den Juden im Deutschen Reiche gemeinsamen Interessen. Die Wirksamkeit des im Jahre 1904 gegründeten Verbandes hat sich hauptsächlich auf folgenden Gebieten bewegt. Bei den Verhandlungen über neue Schulgesetze und Bestimmungen über Sonntagsruhe hat er die Wünsche der Juden zur Geltung gebracht; gegen die beschränkenden Einreisevorschriften nach Rußland hat er unermüdlich angekämpft; gegen die Zurücksetzung der Juden beim Militär, im Justizdienst, als Lehrer an Universitäten und höheren Schulen, bei der Auswahl der Schöffen und Geschworenen hat er dauernd gearbeitet; die Schächtgegnerschaft hat er ständig bestritten; für gleiche Rechte jüdischer und andersgläubiger Ausländer führte er unablässig den Kampf. Er unterstützte die Herausgabe apologetischer Schriften und wies Angriffe auf unsere Religion zurück. Zu den bestehenden anderen jüdischen Organisationen unterhält er ständig Beziehungen, besonders zu dem „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben s." Der Verband der deutschten Juden und der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ergänzen und unterstützen sich. Sie gehören zusammen wie Geist und Kör-