Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 228 — seminare mit 40 Hörern. Die Ausgaben für dieses Schulwerk betrugen rund 2 Millionen Francs das Jahr. In Rußland und Rumänien wurde die Gründung von Schulen nicht erlaubt. Die Alliance unterstützt deshalb junge Leute, die im Auslande studieren, und hilft ihnen in ihrem Fortkommen. In Gemeinschaft mit anderen Vereinigungen lindert sie mit großen Summen die Not der durch Pogrome Geschädigten, hilft den Auswandernden und unterstützt kraftvoll die Bestrebungen der Ica, der Jüdischen Colonisations- Anstalt. In Deutschland bestanden vor dem Kriege etwa 400 Bezirks- und Lokalkomitees der Alliance, vereinigt in der „Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. I. U." mit etwa 20 000 Mitgliedern, die jährlich über K Million Mark für die guten Zwecke der Alliance aufbrachten. Seit dem Kriege sind wir außer Verbindung mit der Alliance. Zur Ergänzung der Alliance wurde im Jahre 1901 der „H ilfsverein der deutschen Juden" gegründet. Das Ziel dieses Vereins ist die Förderung der sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Glaubensgenossen, insbesondere im östlichen Europa uhd in Asien. Die Anregung zur Gründung dieses Vereins lag einerseits in dem großen Elend, in dem sich unsere Glaubensbrüder in Galizien befanden, andererseits in der furchtbarten Bedrückung, die die Juden in Rußland und Rumänien zu erleiden hatten. Zunächst wandte sich der Hilfsverein nach Galizien. Er gab dort Anregungen und Beihilfen zur Einführung von Hausindustrien, um der jüdischen Bevölkerung in dem industriearmen Lande neue Erwerbsquellen zu erschließen; er suchte durch Erziehungsanstalten auf die heranwachsende Jugend einzuwirken und durch Unterstützungen zur Ausbildung von guten Handwerkern der kommenden Generation Erwerb und Selbständigkeit zu schaffen. Sehr bald! mußte er sich dann den rumänischen Juden zuwenden. ' Die Lage in diesem Lande war eine traurige, ist es wohl auch noch heute, besonders schlimm waren; (die Bauernunruhen im Jahre 1907. In diesem Jahre mußte der Verein für Rumänien 100000 Mk. aufwenden. Gewaltig aber war die Hilfe, die der Hilfsverein den russischen Juden angedeihen ließ. Das Hilfswerk anläßlich der Pogrome in Kischifyelff erforderte allein einen Aufwand von über % Million Mark. Es würde zu weit führen, all die einzelnen Hilfswerke, bei denen der Verein sich beteiligte, aufzuzählen; folgende Angaben reden deutlich genug: In den ersten 10 Jahren seines Bestehens hat der Verein rund 6 Millionen Mark für seine Zwecke verwendet, davon über 4/4 Millionen zur Unterstützung der russischen Auswanderer;