Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 227 — selbst, in Gemeinschaft mit Sir Moses Montefiore, zum Vicekönig Mehemet Ali nach Egypten, um eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. Der Zweck wurde erreicht, die 10 Verurteilten wurden freigesprochen. Cremieux, ein großer Philanthrop, hatte bei dieser Reise, die er nach Palästina und Syrien ausdehnte, die traurige Lage der orientalischen Juden kennen gelernt. Mit tiefstem Schmerze sah er, daß unsere dortigen Glaubensgenossen auf einier sehr niedrigen Kulturstufe Ständern, mangels jeglichen Unterrichts. Es tauchte damals bei ihm und seinem Begleiter der Wunsch auf, Abhilfe für die traurigen Verhältnisse der orientalischen Juden zu schaffen. Ihre Wege für diesen Zweck waren verschiedene. Während Sir Moses Montefiore sofort selbst tatkräftig eingriff und besonders im heiligen Landie große Summen aufwandte, um Schulen zu gründen, glaubte Cremieux, daß auch die größten Anstrengungen Einzelner keine ausreichende Abhilfe schaffen könnten, daß vielmehr ein Zusammenwirken der gesamten Judenheit erforderlich sei. Zwanzig Jahre verfolgte er seine Ideie mit vollstem Eifer, suchte edelgesinnte Juden in allen Kulturländern dafür zu gewinnen, bis es ihm endlich gelang, im Jahre 1860 die „A 11 i a n c e israelitische universelle" zu begründen. Diese „allgemeine jüdische Vereinigung" war der erstentstandene jüdische Verband. Ihr Zwjeck wird im Vereinsstatut wie folgt gekennzeichnet: „Überall für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu wirken; denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksame Hilfe angedeihen zu lassen." Unendlich viel hat diese Vereinigung zum Besten der Juden geleistet, besonders in den Ländern, in denen die Juden bis jetzt als minderbewertete Mitbewohner leben und leiden, in Rußland, Rumänien und dem Orient. Aus den Ideen von Cremieux wurde zunächst diejenige mit allem Eifer aufgenommen, die die Hebung der geistigen Entwicklung der östlichen und orientalischen Glaubensgenossen betraf. Eine große Zahl von Schulen für Knaben und Mädchen wurde gegründet. Es folgten Fortbildungsschulen, Handwerkslehrstätten, Ackerbauschulen, Lehrgüter, Meiereien und endlich auch höhere Schulen. Im Jahre 1914 unterhielt die Alliance in den Balkanländern 53 Schulen mit 16 100 Schülern und Schülerinnen, in Nordafrika 54 Schulen mit 12 200 Besuchern, in Nordasien 80 Schulen mit 13690 Zöglinglen; ferner 2 Ackerbauschulen und 57 Werkstätten mit zusammen 2135 und 2 Rabbiner-