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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. Seite 226

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 11 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 226 (sequence 10)
Language
German
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— 226 — Magdeburg, Jellinek in Wien und Jost in Frankfurt a. M. gegründete „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" wurden die Zustände nur ein klein wenig gebessert, weil sich in ganz Deutschland nur einige hundert Männer fanden, die Interesse für geistiges Streben hatten und das Institut durch Vorausbestellüng auf die Bücher, die es herausgeben wollte, unterstützten. Die Verkehrsverhältnisse waren damals noch recht schwierige. Es gab erst wenige Eisenbahnen, dafür aber desto mehr Landesgrenzen zwischen den einzelnen deutschen Staaten. Aus meiner Jugend erinnere ich, wie schwierig eine Reise nach Leipzig damals war. Wochenlang vorher begannen die Vorbereitungen, allen Freunden und Bekannten wurden Abschiedsbesuche gemacht, die! weitgehendsten Dispositionen wurden getroffen. Heute wird eine Reise um die Welt leichter und sorgloser angetreten, als damals die Fahrt von Hamburg oder Hannover nach Leipzig. Wenn der kühne Reisende dann zurückkam, strömte alle Welt in sein Haus, um sich seine Erlebnisse schildern und die Vorkommnisse, die die jüdische Allgemeinheit betrafen, berichten zu lassen. Ich war noch ganz jung, als einst mein Vater von der Messe zurückkam und in hellster Begeisterung den staunenden Zuhörern die schier unglaubliche Nachricht überbrachte, es habe sich ein Verein gebildet, der die Juden der ganzen Welt umfassen wollte. Bevor ich über dieses Ereignis näher berichte, muß ich etwas weiter ausholen. In der Nacht vom 5. zum 6. Februar 1840 war in Damaskus ein alter Kapuzinerpater Thomas verschwunden und vermutlich ermordet worden. Am Abend des 5. war er in einer Straße, in der viele Juden wohnten, noch gesehen worden, seine Leiche ist nie gefunden. Das rätselhafte Verschwinden veranlaßte seine Klosterbrüder, das Gerücht auszusprengen, die Juden hätten den Pater ermordet, um sein Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden. Eine grausige Schilderung eines solchen Ritualmordes wurde verbreitet. Der Pascha stellte eine Untersuchung an, ließ eine große Zahl von Juden verhaften und auf das Scheußlichste martern und foltern. Unter der Einwirkung der Folterung machte ein Barbier Soliman jede gewünschte Aussage. Der Pascha verurteilte 10 angesehene Juden zum Tode. Der französische Konsul setzte es durch, daß die Todesurteile vor der Vollstreckung dem Generalissimus der türkisch-egyptischen Truppen in Syrien, Ibrahim Pascha, unterbreitet wurden, außerdem berichtete er dem französischen Justizminister. Dieser, Cremieux, ein Jude, nahm sich der Angelegenheit mit allem Eifer an. Er reiste

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