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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. Seite 224

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 11 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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— 224 — überlegt, wie er mit möglichst wenigen Worten in einer Depesche alles Notwendige ausdrücken kann. Unsere Zeit ist schnelle biger geworden, wir können uns nicht mit der Ruhe und in der Ausgedehntheit mit irgend einer Sache wirklich ernsthaft befassen, wie es unsere Ahnen noch konnten. Und darum sehe ich im Freitag abend das Ideal für unseren neuen Sabbath. Können wir uns an ihm nur für kurze Zeit wirklich religiös konzentrieren, so haben wir mehr Gewinn davon, als wenn wir mit halbem Herzen einen langen Sonnabend- oder Sonntag - Vormittagsgottesdienst uns anhören, um dann gleich hinterher an unsere Geschäfte, bezw. zu unseren Vergnügungen zu gehen. Es wäre auch ein "Selbstbetrug, wenn wir glaubten, immer an einem Vormittagsgottesdienst des Sabbath ganz andächtig zu sein. Und ich sehe als die höchste Pflicht eines jeden an, sich selbst gegenüber wahr zu bleiben. Ich denke mir die Ausgestaltung des Freitag abend etwa so: er besteht aus zwei Teilen, aus einem gottesdienstlichen und einem häuslichen. Die häusliche Feier kann zum Teil als Familienfeier, zum Teil als rein religiöse Feier aufgefaßt werden. Wie die religiöse Feier im Hause auszugestalten ist, kann ich jetzt noch nicht näher angeben; der eine wird seine Leuchter anzünden, andere werden aus der Bibel lesen, wieder andere werden sich ganz allgemein über religiöse Fragen unterhalten. Das Wichtige ist nur, daß irgend etwas in dieser Richtung auch im Hause geschieht und es nicht bei dem heute vielfach in liberalen Kreisen üblichen Familienfest bleibt. Doch ich bin sicher, daß ein Gottesdienst, der nur die schönsten Gebete des Sabbath enthält — und es gibt doch so herrliche! —, jeden einigermaßen religiösen Menschen in eine Stimmung bringt, die ihn sich über den Alltag erheben läßt. Auch ist mir der Abend allein schon so überaus willkommen, weil er so etwas viel Feierlicheres an sich hat als ein Vormittag. Doch das sind nur persönliche Empfindungen, die man nicht so genau zu bestimmen vermag. Aber das Wichtige bleibt, daß wir uns über den Alltag erheben. Wir * gewöhnlichen Menschen können nicht wie Künstler minier in einer höheren, reineren Sphäre schweben; aber wir können uns zeitweise losreißen von unseren täglichen Geschäften und Arbeiten, um uns etwas Höherem zuzuwenden.

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