Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 222 - Sie nicht, daß es bei der Arbeitsgemeinschaft sein Bewenden haben soll. Wir müssen auch Vorträge halten. Sollen wir nun aber akademische Bonzen verschreiben und uns von diesen Weisheit verzapfen lassen? Können wir nicht aus den Arbeitsgemeinschaften heraus aus dem Erlebten ein Bild formen und vor uns hertragen? Das heißt ja doch Vortrag. Und da fangt denn an zu sprechen, zu fragen, zu antworten, und so kommt Arbeitsgemeinschaft zu Arbeitsgemeinschaft und es fängt an sich zu gliedern und zu bilden und nun ist der Verein erst vollendet, und es bedarf nur noch seiner Krönung. Und die wäre? Lassen Sie mich damit schließen: Wir wollen auch unsere Feste feiern. Zu Zeiten wTollen wir zusammentreten und unsere Rabbis sollen uns, nicht in der Form, die heilig ist, sondern in der Form, wie es in den alten Schulen gepflegt wurde, erzählen von dem, was der Sinn dieser großen Tage ist. Und so steigen wir hinein in den großen Strom jüdischen Lebens, sind selbst Wellen in ihm und leben in ihm. Das sind ganz allgemeine Gesichtspunkte und doch fühle ich, daß aus diesen allgemeinen Gesichtspunkten ein Wille wächst und eine Tat, die Zukunft formt. Es ist wenig, wenn wir nicht wollen; es ist viel, wenn wir wollen. Ich kann nur mit dem Wort einer deutschen Dichtung schließen: „Fanget an!" Zur Sabbathfrage. Von Ernst S e 1 i g s o h n, Ui-Berlin. In der Oktobernummer unserer Mitteilungen, hat Joseph Weinsaft endlich die Sabbathfrage angerührt. Endlich! Denn es nahm sich merkwürdig aus, daß in einem jüdisch-liberalen Blatt alle anderen Fragen eher behandelt wurden als gerade diese äußerst wichtige. Nun ist dieser Bann gebrochen, und wir können nach einer Kritik unseres heutigen Sabbaths auch an Verbesserungsvorschläge denken. Diesen Grundsatz hat auch Joseph Weinsaft befolgt, indem er nach einer Erklärung, daß der Sonnabend nicht weiter Feiertag bleiben könne, auch eine Lösung der Frage dahin anzugeben versuchte, daß der Sabbath auf den Sonntag verlegt werden müsse. Obwohl ich im Prinzip mit Weinsaft durchaus einverstanden bin, daß der Sabbath nicht am Sonnabend abgehalten