Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 221 — Wie nun das erlösende Wort heißt, das wissen wir alle: Arbeitsgemeinschaft. Ich wünschte mir Arbeitsgemeinschaften, die entstehen, weil ihnen nur irgendein Gesicht gefällt. Irgendein Mensch kommt Ihnen entgegen, ganz von selbst, — glauben Sie nur: es geht — ganz von selbst wird plötzlich aus diesem Zusammensein eine Arbeitsgemeinschaft der Herzen und daraus eine Arbeitsgemeinschaft der Köpfe (was bei uns Juden nie getrennt gewesen ist) und endlich auch eine Arbeitsgemeinschaft der Hände. Alle Wege der Erde sind wir Juden stets gemeinschaftlich gewandert, denn uns hat das Leid auf diese Wege gezwungen. Wollen wir nun nicht unser Schicksal selber in die Hände nehmen und gemeinsam den Weg des Juden gehen? So wie ich Ihnen gesagt habe, so könnten wir es einmal wagen. Arbeitsgemeinschaften zu schaffen, heißt noch lange nicht (wie es manche gemeint haben): den Verein auflösen. Der Verein ist eine Organisation, die bleibt. Wir treten zu soundsovielen Arbeitsgemeinschaften zusammen. Zunächst ein paar Leute nur. Aus den Reihen dieser Arbeitsgemeinschaften finden sich dann hier und da „Klübchen" zusammen, die unter sich wieder das lebendige Ergebnis der Arbeitsgemeinschaften austauschen. Ich hoffe und wünsche, wenn das und aus diesem Geiste geschieht, und wir uns wieder treffen, daß der Patient sehr gesund ist und daß es ihm sehr gut geht. Man braucht da keine langen Rezepte zu schreiben, ich glaube in diesem Falle liegt die Heilung des Patienten in ihm selber. Wollen Sie, dann treten Sie zusammen und fangen irgendwo an. Unser Judentum ist reich. Ihr junges Judentum ist noch viel reicher, Sie brauchen nur irgendwo einmal einen Gedanken aus sich zu fassen und Stoff für soundsoviele Arbeitsgemeinschaften ist gegeben. Vertrauen brauchen Sie und wir zu uns selbst. Glauben Sie ja nicht irgendeinem ,,-ismus" zu nahe zu treten, haben Sie keine Angst: liberal sein, heißt: sich vornichts fürchten. Tuen Sie sich keine Scheuklappen vor, sehen Sie allen ins Gesicht. Dana sind Sie liberal im großen Verstände — im Goetheschen Verstände. Das ist es, was ich mir unter Arbeitsgemeinschaft vorstelle. Bis jetzt ist es. nur eme Verstellung in mir, sie läßt sich durch die Tat zur Wirklichkeit machen. Und glauben