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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. Seite 200

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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— 200 — Die Thora, Quelle jüdischer Gemeinschaft, Von Ludwig Ries (Iii-Frankfurt a. M.). Ein alter Midrasch erzählt, daß alle Juden aller Zeiten bei der Offenbarung am Sinai gegenwärtig gewesen. Das will sagen, daß wir in unserer Gemeinschaft innerlich mit dem Offenbarungsgedanken verwachsen sind, wollend oder nicht. Und wir sind es in der Tat. „Die Lehre, die uns Mose am Sinai gegeben, ist das Erbteil der Gemeinde Jaakobs." Was bedeutete unsere Gemeinschaft ohne den Glauben an unsere Überlieferung, an ihr gelebtes Leben? „Mosche empfing die Thora am Sinai, überlieferte sie dem Josua, Josua den Älteren, die Älteren den Propheten, und die Propheten überlieferten sie den Männern der großen Synode/' Die Lehre wurde überliefert von Geschlecht zu Geschlecht als heiligstes Besitztum. So bildet sie eherne Grundlage des Judentums durch die Jahrtausende. So ward sie Mittelpunkt, um das sich jüdisches Gemeinschaftsleben gruppierte, politische und religiöse Gesetzesgrundlage, Mythologie uftd Geschichte, ethische und moralische Norm, Lehre, Wissensquell unergründlicher Fülle. Däese Lehre, die der Stammesgemeinschaft gegeben wurde, und auf Grund deren sie sich nach innen und außen entwickelte, wurde gegeben| und aufgenommen, im Großen und Ganzen und ins Einzelne gegliedert und abgeleitet, und das Sediment, d'as sich bildete, heißt Talmiud. Das Volk in Gesamtheit ist Träger der Thora; des Einzelnen hohe und höchste Aufgabe ist „Lernender und Forschender" sein. „Wo zwei beisammen sitzen und es werden Worte der Thora zwischen ihnen verhandelt, da weilt unter ihnen die göttliche Gegenwart." Das will sagen, die Gemeinschaft ist gegeben. „Wo zehn beisammen sitzen und sich mit der Thora beschäftigen, da befindet sich der Glanz Gottes unter ihnen." So steigert sich die Bedeutung der Gemeinschaft mit der Intensität der Beschäftigten und der Zahl der Versammelten. Die Thora, die Offenbarung Gottes durch seinen Dienet Mose, sie ist unsere Quelle und wir sollen darin „forschen Tag und Nacht". Sie ging von Mund zu Munde, bis sie schriftlich niedergelegt wurde, aus ihr wuchs das ganze jüdische Schrifttum mit seiner Bedeutung für die Gemeinschaft. Um ihrer Beschäftigung willen wurden Gelehrte und Lehrer Jünger und Schüler, wurden Schulen begründet und Lehrstätten erbaut, die soziale Hochgeltung des Einzelnen richtet

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