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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. Seite 197

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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- 197 — nung zu findeni, so begreift man, daß nur das unumstößliche „Du sollst!" imstande sein konnte, die hohe ethische Erkenntnis der Führer bei einem ganzen Volke zur Tat werden zu lassen. Das Gesetz als Pfeiler menschlicher Kultur ist die Umwandlung und Erläuterung sittlicher Ideen und Forderungen in die Begriffe Recht und Pflicht, wodurch erst diese; Ideen bei einem großen Ganzen zu Wirklichkeit und Tat werden. Das Gesetz ist also nur Mittel zum Zweck. Ganz besonders gilt dies für das jüdische Gesetz. Vom Standpunkt des Liberalismus betrachtet, ist unsere Religion frei von Dogmen. Sie ist auf der Idee des Monotheismus aufgebaut, ihr höchstes Ziel ist die allgemeine Erkenntnis dieser sittlichen Idee, die den Grundstein der jüdischen Ethik bildet. Das jüdische Gesetz ist also die Brücke zur Erkenntnis der jüdischen Ethik. Nur soweit es dieser Bedeutung standhält, kann es für unsj, die wir die Religion letzten Endes in der Ethik offenbart sehen, sittlichen Wert haben. Damit ist keinesfalls gesagt, daß wir alles Übrige grundsätzlich ablehnen — gerade uns liegt das Prinzipielle in Fragen der Religion fern. Wir haben hohe Achtung vor dem, was der Würde der Tradition entspricht, vor denjenigen Formen und Gebräuchen, die dem inneren Gefühl einen wahrhaft schönen Ausdruck zu geben vermögen. Doch als seelisch bindend können wir nur das auffassen, was uns Wegweiser zur Erkenntnis unserer Ethik ist. Die ethische Forderung des Sabbath liegt darin begründet, daß es dem Menseben ermöglicht wird, einen Tag in der Woche Einkehr in sich selbst zu halten, daß er die innere Ruhe und Sammlung zu finden vermag, um sich über den Alltag zu erheben und Herz und Gemüt mit neuer Kraft zu erfüllen. Das Verlangen hiernach wird wohl jeder mehr oder minder stark oft empfinden, der seinem inneren Ich gerecht wird und nicht Betrug an sich selbst übt. Der Wege freilich sind unendlich viele, ihre Wahl muß der Gemütsart des Einzelnen überlassen bleiben. In irgendeiner Weise führen aber alle diese Wege zu den reichen inneren Werten der Religion, von der Warte der Ethik gesehen. Sie sind die Wege der Religion, indem sie den Menschen erhöhen wollen. So betrachtet sind Sabbath und Festtage nicht Gebilde aus vielerlei Vorschriften, Äußerlichkeiten und Formen, über deren Innehaitung der wahre Inhalt mehr und mehr vergessen werden muß. Und das vierte Gebot ist nicht mehr ein Gesetz mit genauen Verhaltungsmaßregeln, sondern eine ethischreligiöse Forderung, deren Erfüllung, dem Geiste der Religion entsprechend, der Verinnerlichung des Menschen dienen soll.

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