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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. Seite 196

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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— 196 — werfen. Das Judentum kann als Schöpfer der Demokratie im edelsten Sinne bezeichnet werden. Es verkündete der Welt die Nächstenliebe, es schuf den demokratischen Gedanken gegenüber dem absoluten Machtstandpunkt der anderen Völker. Vom Geiste der Nächstenliebe sind Israels Gebote erfüllt; dfe hohe Bedeutung des Familienlebens, die Stellung der Frau, die Pflichten gegen die Armut, Gesetze über Behandlung des Knechtes, Verbot der Ausnutzung, über Lohnzahlung — das und vieles mehr offenbart die demokratische Idee in Israel, die allmählich allen Völkern zum leuchtenden Beispiel wurde. Eine der wertvollsten sozialen Schöpfungen Israels ist die Einrichtung eines wöchentlichen Ruhetages, des Sabbath. „Sechs Tagie sollst du arbeiten und alle deine Werke verrichten, aber der siebente Tag sei ein Ruhetag dem Ewigen, deinem Gotte . . 1 So heißt es im vierten Gebot, das den Israeliten den wöchentlichen Ruhetag befahl, an dem keinerlei Arbeiten verrichtet werden sollten, damit er einzig und allein dem Dienst an Gott gewidmet sei. Als Begründung wird in dem Gesetz selbst das göttliche Beispiel des siebenten Ruhetages in der Schöpfungsgeschichte angeführt. Späterhin trat das Motiv der Erinnerung an die Knechtschaft in Ägypten hinzu, woraus die Pflicht der Menschlichkeit gegen den Knecht und somit auch cter Innehaltung eines Ruhetages hergeleitet wurde. Der hohe sittliche Wert des Sabbaths als ethische Forderung ist jedoch in diesen Motiven nicht begründet. Das vierte, wie alle Gebote Israels, sind letzten Endes ethische Forderungen; nur die Form des Gesetzes, des Ge- oder Verbots, macht es unmöglich, das wahre Motiv, den tiefsten Sinn, zum Ausdlruck zu bringen. Und die Form wiederum war notwendig, da zu jener Zeit eine jüdische Ethik nur von den geistigen Führern erkannt werden konnte. Es mußte also für die Darlegung der ethischen Pflicht- und Rechtsbegriffe die gleiche Form wie für die äußerlichen Vorschriften gefunden werden, und das war die Form des „Du sollst", des Gesetzes, das als von Gott selbst gegeben bezeichnet wurde, und dessen Übertretung als Vergehen gegen die Gottesmacht galt. Wenn man bedenkt, daß bis in unsere Zeit die allgemeine Moral mindestens ebenso stark durch das Strafgesetzbuch wie durch das Gewissen gehalten wird, wie noch heute große sittliche Ideen und soziale Fortschritte die schwersten Kämpfe gegen die Macht der Tradition und der Gewohnheit, gegen Dummheit, Mißtrauen, Angst um Verlust von Vorrechten, bestehen müssen, um allgemeine Anerken-

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