Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 195 — beider Existenz nie beweisbar. Gott wirkend, auch wenn wir ihn leugnen, die Toten in ihren Taten fortlebend, auch ohne unser Gedenken. Gott braucht die Menschen nicht und gab ihnen doch das Gebot, ihn zu lieben* eb'en für ihr eigenes Beste. Die Toten brauchen uns nicht, und doch ist es mit goldenen Lettern eingegraben ins Menschenherz, das Gebot, nicht nur ihrer zu gedenken in passivem Schmerz, in ewig rückschauender Selbstquälerei, sondern für die Toten, im Sinne der Toten zu handeln für die Zukunft. In der Vergangenheit wurzeln wir, in der Gegenwart stehen wir», für die Zukunft schaffen wir. .... Trost im, unendlichen Leid kann uns nur im Schaffen erstehen. Im Sinne der Toten, ja in Gemeinschaft mit ihnen. — Denn alle Generationen bilden ja eine große Kette, die fortreicht vom Anfang der Welten bis in die Zeit, da alle Ideale verwirklicht sein werden. Und wir Lebenden sind so berufen, das Werk der Toten fortzuführen. Das Schlimmste, was einem Menschen werden kann, ist, daß sein Leben deinen Sinn hat. In der Gemeinschaft aller Generationen können wir Sinn in unser eigenes Leben legen, indem wir helfen», den Sinn alles Lebens zu gestalten. So haben wir die Pflicht, uns bei allem. Gedenken an die Toten tätig in die Reihe der Lebenden zu stellen. Unsere Herzen schlagen weiter in Mitleid und Hilfsbereitschaft. Damit können wir den Toten nicht, wohl aber den Lebenden nutzen. Liebende Gemeinschaft, alle Geschwister, aller Brust von gleichem Leid und gleicher Freude beseelt, so laßt uns an das große Menschheitswerk gehen! In weihevollen Stunden aber, bei tiefst innerem Erleben, wenn Leid oder Freude mächtig zittert in unseren Seelen, dann wollen wir Zwiesprache halten mit unseren Toten, dann wollen wir ihnen zeigen, was wir gewirkt, und wollen ihnen den heiligen Schwur ablegen, weiter in ihrem .Geiste zu schaffen, das, was sie in uns legten, zu pflegen, daraus zu machen, was sie gut fänden, und so zu sorgen, daß sie unsterblich werden, durch die Unsterblichkeit dessen\, was sie schufen! Der Sabbath als Gesetz und als ethische Forderung. Von Joseph Weinsaft (Iii-Berlin). Wenn der Sabbath einzieht, wenn am Freitag abend die Lichter brennen und man die Synagoge aufsucht, so drängt sich immer wieder die Frage auf: Haben wir überhaupt noch einen Sabbath? Es verlohnt sich, diese Frage näher zu betrachten und zunächst einen Blick nach rückwärts auf unsere Geschichte zu