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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 188

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 188 (sequence 28)
Language
German
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— 188 — seine Entstehung und religionsgeschichtliche Bedeutung könnte einmal aus berufener Feder geschrieben werden, wir wollen hier.nur darauf hinweisen, daß an ihm bekanntlich der letzte und erste Abschnitt der Thora vorgelesen wird. Bemerkenswert wie die Thoravorlesungen sind auch die Prophetenabschnitte an den Feiertagen; am Neujahrsfeste wird das Gebet der Hanna vorgelesen, was wohl begründet ist, in der Anlehnung an die Erzählung von Isaaks und Ismaels Jugend. Am 2. Tage bezieht sich die Haphtarah, ebenfalls so gut. wie gar nicht auf den Feiertag, wenn man nicht die Worte von der Reue und Buße so auffassen will, die natürlich ebensogut am Versöhnungstage gelesen werden können. An diesem Tage zeigt sich die großzügige Auffassung unserer Weisen von dem Wesen und dem Wert des Fastens ganz besonders in der Haphtarah. Während in der Volksmeinung das Fasten als etwas an und für sich Wertvolles angesehen wird, ruft der Prophet der Gemeinde die Worte zu: „Ist das ein Fasten, wie ich es verlange, ein Tag der Kasteiung? Daß der Mensch dem Schilfe gleich sein Haupt krümme, in Sack und Asche sich hülle, willst du das ein Fasten nennen und einen Tag des Wohlgefallens vor dem Ewigen? Fürwahr! Das ist ein Fasten, wie ich es begehre: Öffnen die Schlingen des Frevels,, lösen die Bände der Unterjochung, frei entlassen Unterdrückte, zerbrechen jegliches Joch! Siehe, wenn du dem Hungrigen dein Brot brichst, umherirrende Arme in dein Haus aufnimmst; so du siehst einen Nackten, ihn bekleidest und deinem Fleische dich nicht entziehst; dann bricht gleich dem Morgenrot dein Licht an undj dein Heil gedeiht schnell, voran ziehet dir deine Frömmigkeit, die Herrlichkeit des Ewigen schließt den Zug." Man mußt die Sicherheit bewundern und das feste Vertrauen zu der wahren Frömmigkeit der Glaubensgemeinschaft, die sich darin ausdrückt, daß man dem Fastenden solche Worte zuzurufen wagt. Auch das Buch Jona, das am Nachmittag des Versöhnungstages vorgelesen wird, ist nach dieser Richtung lehrreich, wird doch dem Volke mit klaren Worten gesagt, daß Reue und Buße mehr wert sind, als! Fasten. Aus dem Talmud. Rosch-haschanat, Fol. ua. R. Elieser sagte: im Tischri ist die Welt erschaffen, sind die Erzväter geboren und gestorben, am Pessach ist Isaak geboren, am Neujahrsfest hat Joseph das Gefängnis verlassen, am Neujahrsfest hat der Frohndienst unserer Väter in Ägyp-

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