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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 185

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 185 (sequence 25)
Language
German
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— 185 — Jugend unter sich nicht ohne dies auskommen? Genügt: nicht für die Anrede der gute und ehrliche«Name, den ein jeder mitbringt. Es sollte nicht nur ungeschriebenes Gesetz,, sondern geschriebenes'Recht in unseren Iiis werden, daß dieser — ich muß es schon sagen — Unfug aufhört und jeder einer Buße zum Besten unserer Vereinskasse unterfällt, der hiergegen verstößt. Aber das sind Äußerlichkeiten. Weit wichtiger ist es, daß. in der ganzen Handlung der Geschäfte, in der Leitung der Verhandlungen; insbesondere der Diskussionen der Geist der Jugend herrscht. Wer das betretene Schweigen kennt, das sich oft einstellt, wenn der Vorsitzende zur Wortmeldung für die Diskussion auffordert, wer an die Zurückhaltung — man kann schon sagen: das Schweigen — unserer weiblichen Mitglieder, die uns oft viel zu geben hätten, in den Debatten denkt, der wird einsehen, daß hier noch manches im Argen liegt, wird es um so stärker erkennen, wenn er einmal in einer Kameradenversammlung und auch — ich plaudere da hoffentlich nicht allzu arg aus der Schule — in den Führerratssitzungen der Kameraden erlebt hat, wie schwer es dort für den Vorsitzenden oft ist, das ungestüme Temperament' den zur Aussprache Drängenden (ohne Unterschied des Geschlechts) in den rechten Schranken zu halten. Ich glaube, daß zäher und unermüdlicher Eifer unserer Verhandlungsleiter, von deren Takt und Geschick dabei das meiste abhängt, auch in unseren Iiis allmählich überall das Eis brechen wird. Nur der Anfang ist' auch hier schwer; haben unsere Mitglieder erst einmal die Überzeugung gewonnen, daß jeder, der etwas zu sagen hat,, bei uns achtungsvoll und aufmerksam angehört wird, auch wenn dem Neuling die Rede nicht träuft wie Honigseim, dann wird die Zurückhaltung allmählich weichen, und auch die jungen Mädchen in unseren Vereinen werden ihre Meinung nicht, wie jetzt bisweilen in privaten Unterhaltungen mit ihren Nachbarn, sondern zum Nutzen unserer Sache frei und offen herauskunden, und der Geist frischer Jugend wird sieghaft zum Durchbruch gelangen. Zweitens: nicht minder wichtig ist die gewiß nicht immer leichte Auswahl des Arbeitsstoffes, den wir für unsere Vereinsabende wählen. Hier muß das Recht der Jugend im Vordergrunde stehen. Die von Herrn Stern in seinem Aufsatz, genannten praktischen Fragen, insbesondere die der Schaffung der jüdischen Gesamtorganisation, die Gestaltung des Gottesdienstes und Religionsunterrichtes und vor allem die Frage der konfessionellen Volksschule müssen ganz besonders, vom Standpunkte der Jugend beleuchtet werden, und die For-

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