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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 181

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 181 (sequence 21)
Language
German
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— 181 — auf der einen, diesem geschärften kritischen Blick auf der anderen Seite nicht passen will und ihn frenijd anmutet, wie er auch selbst da,' bisweilen als fremdes Element empfunden werden mag. Und so zieht er sich von jenen Vereinen zurück in den Kreis der Kameraden, um dort mit Menschen von gleicher Grundrichtung und Gesinnung, die ihm Freunde und Gefährten sind, auch über die Angelegenheiten des jüdischen Lebens Rat zu pflegen. So hätte denn also Herr Stern recht mit seiner Befürchtung, unserer Iii-Bewegung drohe von der Tendenzrichtung unter den Kameraden Gefahr, weil sie uns Kräfte entziehe, deren Mitarbeit bei unseren hohen Aufgaben wir erstreben müssen und auf deren Kämpfgenossenschaft wir nach ihrer ganzen Geistesrichtung Anspruch haben? Die Antwort lautet: Ja, wenn wir aus der gegebenen Situation nicht die notwendigen Folgerungen zu ziehen wissen, nein und dreimal nein, wenn wir auf dem, Posten sind. Zweierlei freilich müssen wir vorab festhalten, und darin gehe ich leider mit unserem Führen Stern ganz und gar nicht einig: Das eine ist dies: Wir dürfen nun und nimmer erwarten, dürfen als gute Juden nicht einmal wünschen, daß die Kameradenvereine ihre Arbeit auf die Jugend bis zum 20. Jahre beschränken und ihre Mitglieder dann mit den besten Wünschen für ihre Zukunft verabschieden und ins Leben hinausgehen lassen. Denn ich glaube dargetan zu haben, daß die Kameradenorganisationen unendlich mehr sind als Turn- und Sportvereine zur körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend, daß sie vielmehr der Judenfrage und der Judennot auf ganz anderen, bisher nicht beschrittenen Wegen zu Leibe rücken, indem sie dem! jungen Juden ein neues Verhältnis zur Natur, zur Heimlab, zum deutschen Volke geben, ihn zu einem aeuen, frischeren und natürlicheren Menschen von bodenständiger Gesinnung und Empfindung machen und ihm dadurch ermöglichen, innerlich und äußerlich besser gerüstet den antisemitischen Anfeindungen zu begegnen. Junge Menschen aber, die diesen Weg der gegenseitigen Erziehung zur inneren Freiheit miteinander durchmessen haben, sollen nicht auseinandergehen, wenn sie eine bestimmte Altersstufe erreicht haben. Der harte Zwang beruflicher und gesellschaftlicher Pflichten, bisweilen auch eine mit dem Fortschreiten der Jahre eintretende Sinnesänderung wird ohnehin den und jenen der Idee und der Organisation abtrünnig machen. Gerade die wertvollsten aber, diejenigen, die sich innerlich jung erhalten, werden den Gedanken, die ihre Jugend verschönt und geheiligt haben, weiter dienen und den ,engen vereinsmäßigen Zu-

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