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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 178

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 178 (sequence 18)
Language
German
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— 178 — brechen einen Freibrief für die unserigen? Wir ringen pflichtgemäß und kraft inneren Zwanges nach der Vervollkommnung des jüdischen Menschen — eine Jugend, die das nicht täte, verdiente ihren Namen nicht mehr — in diesem Streben aber sind wir eben im Ablauf der letzten Menschenalter nicht erheblich vorwärts gekommen, während, der letzten Jahre aber in raschem Tempo rückwärts und abwärts geglitten. — Inzwischen war mit dem Ausgange des 19. Jahrhunderts durch die nationaljüdisch-zionistische Bewegung eine große Unruhe über die deutschen Juden und zumal die jüdische Jugend gekommen. Der Gedanke der jüdischen Renaissance, die Hoffnung, den jüdischen Stamm, den alten Spielball der Völkerwillkür, als freies Volk auf Palästinas geheiligten Boden zurückkehren zu sehen, mußte mindestens ^alle diejenigen jungen Juden entflamlmen, in denen das jüdische Blut mächtiger war als' die Liebe zu deutschem Land und Volk, das gekränkte jüdische Ehrgefühl stärker, als das Bewußtsein der kulturellen Zugehörigkeit zum Deutschtum. Die nationaljüdische Bewegung war es nun, die von ihren Anfängen an die Forderung der körperlichen Ertüchtigung mit an die Spitze ihrer Postulate stellte. Dias war für sie eine Selbstverständlichkeit, denn wie sollte dieses Volk die ungeheure Aufgabe, vor die der Zionismus es stellte, erfüllen können, wenn seine körperliche Unzulänglichkeit ihm überall hindernd im Wege stände? Und so schritten die Zionisten entschlossen zur Tat. Nationaljüdische Turnvereine, Wanderbünde, Sportorganisationen aller Art erstanden, und wie heilig ernst sie es mit ihrer Aufgabe nahmen, zeigen selbst dem Fernstehenden sinnfällig die überraschenden Erfolge, die diese Vereine seitdem im öffentlichen sportlichen Wettbewerb mit angesehenen nichtjüdischen Organisationen so oft errungen haben. Und die nichtzionistische jüdische Jugend? Sie schlief zunächst ihren Dornröschenschlaf weiter, machte zum' Teil auch in den „paritätischen" Vereinen mit}, bekannte sich insbesondere mit Begeisterung zum deutschen Wandervogelgedanken. Da traf sie wieder einmal ein Peitschenhieb unseres „Bruders Edom": die deutschen Wandervogelorganisationen verschlossen sich ihnen. Nun endlich raffte sich die deutschempfindende jüdische Jugend auf zu befreiender Tat, und die iKameradenidee wurde geboren. Was wollen wir Kameraden? Äußerlich angesehen: turnen, allerhand Sport treiben, wandern. Von innen heraus betrachtet, haben wir unendlich größere Aufgaben und werden sie? lösen. Wir wollen den jungen Juden von dem Fluche der körperlichen Unzulänglichkeit befreien und dadurch der Gering-

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