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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 176

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 176 (sequence 16)
Language
German
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— 176 — und Verheißungen mußten ihm, mußten auch der jüdischen Jugend einen Ersatz bieten für Feld und Heidei, Wald und-See, für die Freude am Blühen und Werden draußen im All und für das gesunde Volksleben* das sich in dieser Natur entwickelte und von ihr umrahmt wurde. Die notwendige Folge dieser jahrhundertelangen Einengung und Abschließung war eine — sprechen wir es ruhig aus — Entartung und Verkümmerung, die sich nicht auf Jen vernachlässigten Körper beschränkte, sondern auch jene wichtigen Gebiete der Seele erfaßte, die unmittelbar von der Natur gespeist werden wie das Kind von der Mutterbrust. Die Denk- und Empfindungsweise der Juden, die einst ein Volk von Ackerbauern und Winzern gewesen waren, nahm immer mehr eine blasse Stubenfarbe an. Eine ungesunde Vernünftelei trat im Juden stärker und stärker hervor, weil eben das gesunde Gegengewicht gegen den kühlen Rationalismius, die Freude an der Natur und am frischen Volksleben fehlte. In den hundert Jahren seit der Emanzipation ist es, trotzdem die äußeren Schranken zumeist gefallen sind, nicht besser, ja man muß wohl sagen: es ist schlimmer geworden. Den Weg zu den Berufen, die sich ihm seitdem geöffnet haben, hat der Jude trotz der unermüdlichen, unendlich dankenswerten Werbearbeit, die z. B. vom Bodenkulturverein ausging und der sich vielfach auch die Bne B'rith-Logen anschlössen, noch nicht wiedergefunden. Viel hat dazu das Vorurteil, das ihm auf den neuen Pfaden rauh entgegentrat!,, mehr aber noch die lange, lange Gewöhnung an die berufliche Einseitigkeit beigetragen. Und so* strömte und strömt Generation auf Generation weiter dem Handel und den gelehrten Berufen zu. Das bedeutet neben anderem: Der Jude blieb Stadtbewohner und nicht nur das: er drängte, der wirtschaftlichen Entwicklung folgend, mehr und mehr in die Industriezentren und Großstädte. Angeborene Regsamkeit und jahrhundertelange Schulung verhalfen ihm dort zu ansehnlichem Wohlstand. Seine Lebensweise paßte sich1,dem an>; sie kennzeichnete sich durch sein Übermaß an rastloser, nervenaufreibender Arbeit auf der einen, eine oft übertriebene Hinneigung zu Luxus und Wohlleben, insbesondere zu den Tafelfreuden auf der anderen Seite. In denSteinwüsten der Großstädte wurde der Jude womöglich noch naturferner und -fremder, als er es vordem gewesen. Die jüdische Jugend, für deren /sittliche Reinheit zur Ghettozeit durch die Abschließung von der Umwelt, das peinlich beobachtete Religionsgesetz, das strenge Familienleben und die weise Einrichtung der Frühehen bestens gesorgt war, verlor diese Stützen und plätscherte schließlich munter in dem Sumpfe der Großstadt mit herum.

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