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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 175

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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— 175 — vom Programm zur Aktion, von schöner Rede zur Tat! Dann aber, Ihr, die Ihr nicht das volle schwere Gewicht des Gesetzes auf Euch nehmen wollt oder könnt — Friede und Ehre denen, die es vermögen! — helft auch dem deutschen liberalen Judentum aus der Versumpfung. Bergt Euch nicht länger hinter dem bequemen Schild der Neutralität, sondern sagt: »Ich will« — dann habt Ihr gewonnen." Ich habe eine von Grund aus andere Ansicht über Wesen, Zweck und Begrenzung der Kameradenarbeit, als sie hier zum Ausdruck gelangt ist, eine Auffassung, die ich in den einen Satz zusammenfassen will: Die Kameradenbewegung ist keine „reine Wander- und Sportbewegung", ist noch viel weniger eine religiöse Tendenzbewegung oder darf eine solche werden, sie ist vielmehr das organisierte Streben der deutschempfindenden jüdischen Jugend nach einer Lebensreform auf jüdischer Grundlage. Ich bin mir wohl bewußt, daß dies wie eine leere Phrase klingt; ich ntuß deshalb meine Auffassung um so sorgsamer begründen und dazu ziemlich weit ausholen. Herr Kollege Stern preist die Wander- und'Sportbewegung deswegen und nur deswegen, weil sie auf die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend hinzielt. Gewiß ist dies eine fundamentale Aufgabe des Wander- und Sportbetriebes, aber es ist nur eine von mehreren, mindestens von zweien, die gleichwertig nebeneinander stehen. Es ist dabei freilich vielleicht; nötig, einen Unterschied zwischen Turnen und Sport auf der einen, dem Wandern aulf der anderen Seite zu machen: Turnen und Sport dienen in der Tat im wesentlichen der Stählung des Körpers, das Wandern aber erstrebt zugleich ein anderes, höheres: die Gewinnung eines neuen Verhältnisses zur Natur und zum Volke! Daß uns beides bitter nottut, ist in unserer Leidensgeschichte tief begründet. Ausgeschlossen von Land- und Forstwirtschaft, Seefahrt und Fischerei lebte der Jude des Mittelalters in den engen Gassen der städtischen Ghettos seine Tage. Die Berufe, die ihm freistanden — auch das innungsmäßig gebundene Handwerk war ihm in Deutschland) zumeist verschlossen — ließen den Körper nicht zu seinem Rechte komimen, noch weniger aber brachten sie dem Juden die Natur nahe. Die Abneigung, die ihm in rriehr oder minder krassen Formen entgegentrat, sobald er die Mauern des Ghettos hinter sich hatte, ließ ihn sich noch stärker gegen die Umwelt verschließen. Der Frieden seines Heims, in dem das jüdische Familienleben sich immer strahlender entfaltete, und die innige Versenkung in die heiligen Schriften mit ihren Erinnerungen

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