Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — er hält nur eine solche Verteidigung* für nützlich, die mit Selbstkritik verbunden ist und meint, daß eine Verteidigung, welche die Masse der deutschen Juden vomt Wege der Selbstkritik und Selbsterkenntnis fernhält, ein schwerer religiöser Nachteil ist. Als Beispiel sei hier die Kritik erwähnt, welche das Organ des Zentralvereins an Knittels Gutachten im Jahweprozeß geübt hat. Als Raphael Loewenfeld seine grundlegende Schrift veröffentlichte, welche den Anstoß zur Begründung des Zentralvereins gab, und die eine scharfe Kritik ans traditionelle' Judentum legte, setzte er das Motto voran: „Es ist Arznei, nicht Gift, was ich euch reiche . . Wir haben heute im Judentum oft den Eindruck, daß man uns statt Arznei Zuckerwasser gibt. Iii und Kameraden, Von Erich Spitz. (Iii-Breslau und Jüd. Wanderbund „Kamieraden"-Breslau.) Im Juniheft dieser Blätter ist der Artikel zum Abdruck gelangt, den unser verehrter Führer, Herr Rechtsanwalt Stern, unter der Überschrift „Utnsere jüdische Jugendbewegung" vorher im Bundesorgan des Kameradenverbandes veröffentlicht hatte. Mit ernstem Nachdruck weist er darin auf Gefahren hin, die seiner Ansicht nach durch die neue „Tendenz"- Richtung der Kameraden heraufbeschworen werden, Gefahren, in denen er vor allem eine Bedrohung unserer Iii-Bewegung erblickt. Ich teile seine Besorgnisse ganz und gar nicht, und da ich einer der wenigen bin, die der jüdischliberalen Jugendbewegung und der Kameradensache mit der gleichen Stärke der Empfindung anhängen und dienen, kann und will ich dazu nicht schweigen. Der Artikel unseres Führers gipfelte in den nachfolgenden Sätzen: Wollt Ihr, Kameraden, mehr als wandern und turnen, wollt Ihr Hand anlegen am Aufbau jüdischen Lebens in Deutschland, so geht zur Tat über. Bescheidet oder entscheidet Euch! Wollt Ihr ein Sport- und Wanderverein der C. V.-Jugend bleiben, so habt Ihr wenigstens eine begrenzte, aber notwendige Arbeit geleistet. Dann aber laßt uns die Masse der Reiferen, die am Aufbau geistig mitarbeiten wollen und sollen, gebt uns Liberalen, gebt den Orthodoxen ihre Jugend für fruchtbare Parteiarbeit. Wollt Ihr mehr als turnen und wandern, wollt Ihr Hand anlegen am Autfbau jüdischen Lebens in Deutschland, so entscheidet Euch und geht über