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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 173

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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— 173 — und habe damals insbesondere auf die ganz verständnislose Beurteilung hingewiesen, die der Marburger Theologe Rade erfuhr, als er in seiner „Christlichen Welt" eine Aussprache über das Judentum eröffnete. Mit den Ausführungen Rades brauchte m!an sich nicht einverstanden zu erklären, aber sie waren vom ernstesten Forschergeiste getragen, und die gereizten Antworten von jüdisch-theologischer Seite waren keineswegs geeignet, dem Ansehen des Judentums zu dienen. Ich darf auch auf die Aussprache hinweisen, die 1918 in den Monatsblättern der Hamburger Ortsgruppe^ des Deutschen Monistenbundes über das Judentum stattfand und auf die Kritik, die ich damals an der auch dort von anderer Seite betätigten apologetischen Methode geübt habe. Kürzlich wies mich in einem privaten Gespräch Herr Rabbiner Dr. Kellermann darauf hin, daß er auch der Behandlung, welche das neueste Buch von Friedrich Delitzsch zuweilen gefunden habe, mit Bedenken gegenüberstehe. Gewiß habe das neue} Werk von Delitzsch schwere Mängel, aber eine Kritik sei nur dann fruchtbar, wenn sie auch wirklich wissenschaftlich gehalten ist. Insbesondere stehe ich aus diesen grundlegenden Erwägungen heraus auch jener Apologie ablehnend gegenüber, wie sie zuweilen in dem Organe des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in religiöser Hinsicht geübt wird. Es fällt mir nicht ein, die ganz außerordentlichen Verdienste zu verkennen, die der Zentralverein sich um die Wahrung der politischen Rechte der deutschen Juden erworben hat. Aber es scheint mir ein Fehler des Zentralvereins zu sein, gelegentlich allzu sehr seine Tätigkeit auf das religiöse Gebiet auszudehnen, wenngleich ja die Zurückweisung wilder antisemitischer Verleumdungen (Ritualmordanklage) natürlich stets berechtigt und verdienstvoll ist. Da nämlich der Zentralverein als die größte jüdische Organisation die verschiedensten religiösen Kreise umfaßt und besonders auch auf die sehr empfindlichen orthodoxen Mitglieder weitgehendste Rücksicht nehmen muß, so bleibt ihm in religiösen Fragen nichts übrig, als sich auf die reine Apologie zu beschränken, indem er meint, es dann allen Mitgliedern recht zu machen. Dagegen, daß man Angriffen auf das religiöse Judentum entgegentritt, kann doch, so denken jene Herren, niemand etwas haben. Zweifellos haben sie mit ihrer Taktik den Beifall der großen Masse. Ujnd doch scheint sie uns gefährlich. Denn der tiefere Freund der Religion glaubt eben nicht, daß es in ihrem Interesse liegt, wenn man alles an ihr restlos bewundert und sie mit allen ihren/ Äußerlichkeiten und Formeln jedwedem Angriff gegenüber verteidigt, sondern

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