Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 172 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 — die ganze Gemeinde und bete ihn kniend und laut mit, um vor der Größe Gottes im Staube zu liegen, zu erschauern; bete ihn als unsere Beichte, als unser Bekenntnis, das uns begleite auf unsern Lebensweg, in unsern Werkeltag: zur Läuterung! K a t z - Rybnik. Zur Kritik der religiösen Lage im Judentum. Von Rechtsanwalt Dr. Ernst Emil Schweitzer - Berlin. I. Über die Schädlichkeit der Apologie im Judentum,. Die tieferen Denker der verschiedenen Konfessionen haben erkannt, daß die Apologie in ihrem Werte für die Erhaltung der Religion nicht überschätzt werden darf, ja, daß die einseitige Hervorhebung des apologetischen Moments wesentliche Gefahren für die Religion mit sich bringt. In keiner Religion spielt nun meiner Überzeugung nach die Apologie eine so unheilvolle Rolle wie in der jüdischen. Hier haben sich sogar die Liberalen vielfach von jener Verengung des geistigen Horizontes nicht frei gehalten, ja manchem ist sogar ein scheinbarer Liberalismus nur ein Mittel, um die Berechtigung aller Formen der überlieferten Religion vernunftgemäß zu beweisen. So verteidigt man etwa die Speisegesetze, indem man behauptet, es seien ursprünglich rein hygienische Regeln gewesen. Man fühlt sich zugleich im Vollbesitz historischer Erkenntnis und wahrt andererseits die traditionelle Form. Gerade hier haben wir ein Musterbeispiel apologetischer Verflachung. Als ob irgend etwas zur Verteidigung der Speisegesetze als religiöser Form getan wäre, wenn man sagt, sie wären medizinisch vom Nutzen und als ob es nicht vielmehr ein schwerer Schade für die Religion wäre, wenn man Dinge mit ihr verknüpft, deren Bedeutung durchaus außerhalb der Religion liegt. Die psychologische Erklärung für diese Gefahr im Judentum ist leicht gefunden. Die Juden werden seit Jahrhunderten so verfolgt und gelästert, daß sie in jedem Angriff auf ihre Religion, ja auch schon in jeder Kritik einen Akt der Feindschaft erblicken, dem sie aus dem Gebote der Selbsterhaltung entgegenzutreten müssen glauben. So ist jene jüdische Uberempfindlichkeit entstanden, die mit Recht von christlicher Seite und insbesondere auch von wissenschaftlicher Seite gerügt wird. Ich selbst habe dies bereits vor Jahren in einer Versammlung des Breslauer Liberalen Jugendvereins hervorgehoben