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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 171

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 171 (sequence 11)
Language
German
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— 171 — gemeinsamer Arbeit werden wir durch Verbreitung des Liberalismus die Uberwindung der Gleichgültigkeit und die Vertiefung religiösen Empfindens erreichen und damit Mir Erhaltung des Judentums beitragen. Der Kaddisch* Er müßte geschaffen werden, wenn er noch nicht bestände: dieser einzigartige, gewaltige, heilige Sang, dieses hohe Lied in Prosa, diese einzig große Anerkennung Gottes, größer als die dreizehn Glaubenssätze Maimunis. Dieser merkwürdige Sang, in dem aller Jubel unserer Brust zum Ausdruck kommt, wenn am Simchat-Thorafest die sämtlichen traditionellen Gesänge des Jahres in ihm ausklingen. Older nehmt die schwere Weise des Neilahkaddisch, die uns zur Demut ruft, zur Einkehr und Umkehr! Oder den Kaddisch jossaum (Kaddisch der Leidtragenden), in dem wir all unser Leid und Weh unter Tränen ergießen und wähnen, der Allgewaltige müsse seinetwegen die Seelen unserer Heißgeliebten vom Tode erretten. Fürwahr, ein Sang, in den wir unsere ganze Seele hauchen, in Kummer und in Glück; bei dessen ersten Worten von der Anerkennung der Hoheit wir uns neigen — ein solcher Sang müßte der Mittelpunkt unseres Gottesdienstes sein, sein A und O. Aber, wie sieht es in der Wirklichkeit aus? Der Kaddisch erfährt (wie El melech jauscheb in den Sselichot) nach Zahl und Wort eine Degradierung sondergleichen. Nach jedem Mismaur — ein Kaddisch; am Ende der Thoravorlesung — unmotiviert — ein Kaddisch; im Morgengebet vor Borchu — ein Kaddisch; im Mussaf gebet — ein Kaddisch. Hier ein halber, dort ein ganzer; hier ein Kaddisch jossaum — dort einer derabbonon. Uncf um den Leidtragenden Gelegenheit zu geben, noch einen außerordentlichen zu sagen, wird selbst bei der Vereinigung von Mincha und Maariw, nach Mincha CWenu eingeschaltet, damit er an dieser Stelle seine Wirkung übe. Es ist unverkennbar: j^ie ungeheure Häufung der Kaddeschim macht ihre Bedeutung illusorisch. Und dann die Art des Sagens! Mancher leiert ihn so schnell herunter, daß man das sichere Gefühl hat, es gehe ihm darum, sobald wie möglich mit ihm fertig zu werden. Wollt ihr reformieren, dann schafft die große Zahl der Kaddeschim ab. Der Kaddisch leite den Gottesdienst ein, der Kaddisch beschließe ihn. Keinen mehr! Treten dann die Leidtragenden vor den Altar, dann vereinige sich mit ihnen

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