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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 167

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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— 167 — nichtet wurde, hob ein Gottsuchen, ein Erkennenwollen des Ewigen an, ein Ringen um die Erhaltung des religiösen Erbes spielte sich ab, das den geistigen Fortschritt gewaltig förderte und dem wir sicherlich die Entstehung der Bücher Hiob und Koheleth verdanken. Wiederum kämpft eine Schar Altgläubiger mit allen Mitteln gegen diese „gottlosen" Neuerer. In manchen Psalmen und Sprüchen (finden wir Spuren davon: „Was. hast du meine Satzungen und meinen Bund in deinem Mund zu führen, da du doch die Zucht hassest und meine Worte hinter dich wirfst!" (Psalm 50, Vers 16—18) und „Ein Geschlecht, das sich rein dünkt und ist doch von seinem Unflat nicht gewaschen. Ein Geschlecht, das so hoch die Augen trägt und dessen Blicke so stolz sind" (Sprüche Salomos 30, Vers 12—13). Der ganze Haß gegen das Neue, das sich durchzusetzen beginnt, spricht sich darin aus. Und so lassen sich die Beispiele mehren von Maimonides über Mendelsohn bis in unsere Tage. Wo Neues sich gestalten will, da ist auch immer die Schar jener auf dem! Platz, die nach dem Alten schreien und unten der äußeren Bequemlichkeit die geistigen Fesseln nicht spüren wollen. Wir Heutigen erfahren es auch, daß vieles Alte abgewirtschaftet hat, wir erleben es, wie durch Geltung der überspitzten Gebote des Talmud der lebendige und darum belebende Zug aus dem Judentum gewichen und unsere jüdische 'Religion zu einer Sammlung tausender das ganze Leben einspinnender Gebote geworden ist, in deren Fülle der ethische Gehalt, die Idee verkümmert. Eine zweite schwere Gefahr bedeutet es, daß dieses mit den Erfordernissen der Gegenwart gar nicht in Einklang zu bringende Judentum, dasj sich noch dazu als das einzig berechtigte ausgibt, immer weitere Kreise wertvoller Menschen abstößt. Diese Gefahr zu bannen, ist die Aufgabe des Liberalismus. Ein lebendiges und) dem Einzelnen stets fühlbares Zugehörigkeitsgefühl zum Judentum zu schaffen, die Gleichgültigkeit durch erhöhte Geltung jüdischer Anschauungen, durch vermehrten Einfluß der Lehren des Judentums auf die Gestaltung des geistigen und praktischen Lebens zu überwinden, ist das Ziel unserer Arbeit. Dazu aber ist es nötig, Gesetze und Glaubensvorstellungen mit den Ergebnissen der Wissenschaft und den Anschauungen des Lebens in Einklang zu bringen, den gefährlichen Zwiespalt zwischen Lehre und Leben zu bannen, wobei das Ewige der Gottesglaube, die ethischen Gebote und die Lehre von der Bestimmung des Menschengeschlechts unangetastet bleiben. In kurzen Worten ausgedrückt : Eine innere und äußere Erneuerung muß in die Wege

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