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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 164

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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I — 164 — Jaum-ha-sekuraun, wir wollen gedenken, aber auch vorwärts streben. Hajaum harass aulom! Heut ist Weltschöpf urigstag! Nicht in unfruchtbarem Streit erfülle sich unsere Arbeit. Schaffen ist Judesein l Aufwärts .streben und recht handeln, ohne sich beirren zu lassen durch Lauheit der Freunde, durch Haß der Feinde, das. ist unsere Aufgabe, das bleibt unser Weg! Jaum-ha-din. Tag des Gerichts! Legt eure Seelen frei, daß des innern Richters Stimme vernehmlich werde! Gebt Raum dem heiligen Zorn, der reinigend dahinbrause wie Gewittersturm in träger Sommerschwüle! Es ist immer unser Fehler gewesen, zu beschönigen, zu entschuldigen, ausgleichen zu wollen und sich abzufinden. Jugend heran, Feindin des Ausgleichs! Nicht nur anderer Schwächen gilts zu bekritteln und zu bekriegen; pflügt das Erdreich in den eigenen Reihen auf! Hinaus mit dem Unkraut des1 nörgelnden Zweifeins und ratlosen Verzweifeins, mit den Steinen der Gewöhnungsträgheit und des Behagens um jeden Preis! Wir brauchen frisches Erdreich, wir brauchen junges Land, wir brauchen junge Seelen, unerbittlich gegen Versumpfung im inneren und bösen Willen von außen, unerschütterlich im Festhalten des selbstgewählten Zieles. Laßt die Welken am Boden liegen, ob sie junges oder altes Antlitz' tragen, reißt die Blühenden mit euch, mögen sie 16 oder 60 Jahre zählen! Nur wer den Jaum-ha-din nützt, um sich selbst zu richten, wird dem gerecht werden, "was Judentum und Menschheit von ihm fordern. Selbsterschütterung, Selbstprüfung und Selbstgericht aber, «ernsthaft geübt, führen zur Selbstsühne. Der große Gedanke ■des Reinewerdens durch eigene Tat, der den Jom-kippur erzeugte, er mag uns Trost geben und Ansporn zugleich. Sind wir rein und frei vor uns, so haben wir das Recht erkämpft, unseren Weg weiter zu ziehen. Wir werden uns nicht beirren lassen durch Bedenklichkeit, Unwissenheit und Mißgunst im «eigenen Lager, nicht durch große Wortei, durch Hohn und Haß hei unseren Gegnern. Noch sind wir wenige, aber nicht die Zahl gilt, sondern das Ziel. So, liebe Freunde und Brüder, treuen Gruß euch zum neuen Jahr! Wir wollen unseres Herzens Tore weit machen, daß die königlichen Festtage darin einziehen und ihr Königswerk an uns üben können, zu weihen und zu einen zu neuem Streben und Schaffen!

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