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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. Seite 163

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 9 (September 1920)
Date
1920-09-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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— 163 — um den Frieden des Gewissens* Dazu aber braucht es der teruoh, der Erschütterung aus Gleichgültigkeit und seelischer Stumpfheit. O, daß sie alle, die sich Juden nennen, diesen Weckruf hörten! Daß wenigstens wir ihn hören, die wir uns berufen glauben, den heiligen Kampf zu führen. Wer die teruoh nicht fühlt, bleibt ein untauglicher Streiter, und daß unser Kampf so langsam vorwärts geht, liegt gerade daran, daß in unsern Reihen zu wenige dies innerliche Durchrütteln spüren, das erst das Erdreich lockern soll für die heilige Saat! Jaum-ha-sekuraun! Tag des Gedenkens, Tag der Selbstprüfung! Wir sollen uns dessen erinnern, was wir geleistet und was wir unterlassen haben, gedenken des Erreichten und des Erstrebten, unserer Mittel und unseres Zieles. Kein freudiger Rückblick ist es, den wir abhalten dürfen. Israel liegt in hartem Kampf, nicht in jenem beglückenden Kampfe Höhen hinauf, sondern im gemeinen Streit mit Haß und Dummheit, mit Falschheit und Verblendung. Wie ungerüstet stehen wir da, wie Wenige nutzen ihre Waffen, wie gar zu Viele stehen abseits! Und im Inneren Zerklüftung und widerwärtige Selbstzerfleischung! Nicht jener notwendige, edle Wettstreit, das Reiben der Geister, heilige Flamme erzeugend, kein Begreifen, sondern ein Begeifern, ein Verächtlichmachen statt eines Erkennenwollens. Auch wir dürfen uns davon nicht ausschließen. Viele der Unseren glauben ihren Stein zum Bau zu tragen, wenn sie Bruderkampf führen, ohne an sich selbst zu arbeiten. Da ist die große nationale Bewegung, die man totzuschlagen wähnt, wenn man sich Waffen von außerhalb des Judentums herbeiholt* während doch kaum einer des Gegners Stellung kennt, geschweige sich als Jude eine Stellung geschaffen hat. W i r dürfen mit dem Nationalismus kämpfen, denn wir lernen an ihm und wir streben unablässig um unser Judentum; aber wir weisen es ah, mit Unbewegbaren eine große Bewegung zu befehden. — Und wie erst haben wir zu klagen über blödes oder arglistiges Mißverstehen unseres Weges. Wir, die mit allen Fasern unseres Herzens an Juden und Judentum hängen, die in Israel den Ewigkeitskampf der Propheten um den Sinn unseres Daseins führen wollen, wir werden verlacht, beschimpft, außerhalb der jüdischen Gemeinschaft gestellt. Zeugt ihr für uns, ihr heiligen Tage! Wo ein Jude lebt, fühlt er unter Eures Fittichs Rauschen, daß wir eins sind, eins in Werden und Vergehen, in Vergangenheit und Zukunft. Wie aber wollen die, die nur nach zeitlichen Merkmalen von Volk und Land Israels Einheit bemessen, dieser einigenden Stunden Weihe empfinden, wie können sie es wagen, die auszuschließen* die gerade jetzt am tiefsten die Bruderschaft« aller Juden fühlen und die hehre Größe des Judeseins erkennen!

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