Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162 — Feiertage! Von Rechtsanwalt Heinrich Stern. Wenn unsere Freunde diesei Blätter in Händen halten^ rüstet sich ganz Israel zu feierlichem Erleben! Unter dem schneidenden und stählenden Klange des Schofar zieht der Tischri-Monat heran und mit ihm jene einzigartigen Tage, um derentwillen allein schon wir unser Haupt als Juden hochtragen dürfen: Rausch-ha-Schonoh und Jom-Kippur. Vergebens wird man in diesen großartigen Tagen nach einem historischen, nationalen oder auch nur jahreszeitlichen Moment der Begründung suchen. Mitten im rollenden Jahr ragt das Fest auf, welches des Jahres Haupt genannt wird und welches über eine Reihe von zehn dunkelernsten Tagen hin zu dem wolkenumhangenen, zuletzt aber von der Sonne selbsterrungener Seelenbefreiung strahlenden Gipfel des Versöhnungsfestes hinleitet, jenes Tages, der allein schon das Judentum groß und unvergleichlich, unvergänglich macht. Wer in den ersten zehn Tischritagen nicht die geistig-seelischsittliche Grundlage des Judentums erkennt, geht arm oder willentlich blind seine Straße als Jude dahin, wer am Neilah- Abend nicht fühlt, daß das Judentum größeren Kampf und Sieg kennt als um Land und Leute, der will nicht schauen oder kann es nicht. Wir Jungen aber, die um Höheres' ,ringen als um Zeitliches, die den Israelskampf mit dem Ewigen aufgenommen haben, wollen uns noch einmal vor die Seele führen,, was uns diese Tage sind, und daraus neue Kraft für unser vielgeschmähtes und wenig erkanntes Lebenswirken schöpfen! Jaum teruoh! „Es erbebte alles Volk, es erzitterten alle Herzen, als unter gewaltigem Schofarschalle der Gottesruf erklang." Ja, wacht auf, schlummernde Herzen, schrick auf, du schlafendes Gewissen, wenn der Mahn- und Kampfruf vom Sinai erdröhnt! Dieser Kampfruf, der jeder fühlsamen Brust künden soll, daß wir nicht nur leben um des Lebens Notdurft willen, sondern um dem Ewigen in uns eine Stätte zu bereiten,, dem Streben und dem Gewissen! Und diese Stätte schaffen wir nicht in träger Ruh alltäglichen Dahinlebens; — einen Kampf gilt es mit den Mächten des Tages, einen Kampf, den uns unsere Väter hinterließen, nach dem wir genannt sind, mit dem wir gestempelt sind als mit einem Siegel der Ewigkeit. Dieser Kampf in unserer Seele, Höhen hinauf, zum Guten, Rechten und Wahren, er ist schwerer als der Schwertkrieg, heiliger als das Ringen mit irdischen Mächten um Volk und Land; denn er kann nie ausgekämpft werden, er geht um den höchsten Preis,,