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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · Heft 8 (August 1920) · p. Seite 157

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 8 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 157 (sequence 17)
Language
German
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— 157 — nicht zu sehr mit äußeren Dingen belasten, sonst komhien wir in dasselbe Fahrwasser wie die Orthodoxie, bei der wir ja gerade das bekämpfen, daß sie allen äußerlichen Normen und Formen die gleiche bindende Wichtigkeit beilegen wie den großen ethischen Forderungen des Judentums. Darum sei vor dem „liberalen Schulchan Aruch" zu warnen und noch aus folgendem anderen Grunde: Wir müssen unsere Tätigkeit mehr positiv gestalten. Ein „liberaler Schulchan Aruch" aber würde nur Negatives, nur {Verbote dessen enthalten, was manchen Menschen Stirrwmungsgehalt in ihrem Leben sei, ohne die großen Ideen des liberalen Judentums zu fördern. An dem Gebetbuch selbst solle man möglichst wenig herumrütteln. Der Nachdruck sei auf die Predigt zu legen und auf eine Verkürzung des Gottesdienstes. Die möglichst umgeänderte Fassung der Gebete sei auch wegen des notwendigen Zusammenhanges mit den Juden anderer Länder erforderlich. Wichtiger als die Umredigierung der Gebete sei eine gute deutsche Übersetzung des Gebetbuches. Hirschfeld - Berlin schlägt die Schaffung einer neuen Gebetordnung vor. Der Gottesdienst müsse so ausgestaltet werden, daß auch die heranwachsende Jugend daran teilnehmen könne. Stern bittet Herrn Dr. Baeck, gleichzeitig seine Stellungnahme zum Zionismus und zur Palästinafrage zu präzisieren. Dr. Baeck weist darauf hin. daß mit der unausbleiblichen Enttäuschung über die Palästinasiedlung bei den Zionisten eine große Enttäuschung überhaupt und eine Abkehr vom Judentum eintreten werde. Um den Anschluß dieser verbitterten und enttäuschten Juden an das Judentum zu wahren, sei es notwendig, eine gewisse geistige Beziehung zum Zionismus aufrecht zu erhalten und sich nicht in die absolute Kampfstellung zum Zionismus hineindrängen zu lassen. Was vom National]udentum absplittere, müsse vom liberalen Judentum aufgefangen werden. Stern verliest eine Resolution zu dieser Frage, die er der Hauptversammlung des Liberalen Vereins vorlegen wolle1). B e r g e r warnt davor,, mit einer Enttäuschung der Zionisten zu rechnen. Er bittet, die Resolution Stern, falls die Liberale Vereinigung diese nicht übernehme, von uns aus zu veröffentlichen. Es geben nunmehr die Vertreter der auswärtigen Vereine kurz Bericht über Organisation und Tätigkeit ihres Vereins. Berger - Breslau teilt seine Erfahrungen in Bezug auf die Propaganda und das innere Vereinsleben überhaupt mit. In Breslau habe man jetzt für je 20 Mitglieder einen Vertrauensmann gewählt, der kein bestimmtes Arbeitsgebiet habe, sondern nur einen Zusammenhang mit den Vereinsmitgliedern auch außerhalb der Vereinsabende herzustellen habe. Um ferner die innere Fühlungnahme zu den Mitgliedern zu gewinnen, sei es erforderlich, daß man nur solche Leute in den \) Inzwischen als Aufruf in Nr. 6 veröffentlicht.

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