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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · Heft 8 (August 1920) · p. Seite 148

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 8 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
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— 148 — Es hieß nun, die Massen für die Idee zu gewinnen, dazu mußte die Formel: ,,die gedrückten Juden des Ostens müssen auswandern, ihnen muß in dem Lande ihrer Sehnsucht, im heiligen Lande, eine nationale Heimstätte geschaffen werden*', dienen. Die Not der Juden des Ostens war längst bekannt. Ihr zu steuern waren die edelsten Söhne unseres Volkes schon längst zusammengetreten, hatten mit Hingabe, Kraft und großen materiellen Aufwendungen für die Linderung gewirkt und gearbeitet. Es war nicht ein zionistischer Gedanke, den im Osten lebenden Juden neue Heimstätten zu schaffen, sondern ein allegemin jüdischer, der niemals von irgendeiner Seite Widerspruch, sondern nur beste und vollste Unterstützung gefunden hatte. Älter, viel älter als der Zionismus, sind die Bestrebungen, an deren Spitze große Philantropen standen, wie Sir Moses Montefiore, Baron Hirsch und die Rothschilds; älter ist die Gründung großer jüdischer Kolonisationsvereine, älter die Schaffung einer großen Zahl von blühenden Kolonien im heiligen Lande, in Kanada, Argentinien), Brasilien und Südafrika. Neu war die Forderung, nur Palästina für die Niederlassung zu wählen und dort einen selbständigen Judenstaat zu schaffen. Ohne den Appell an die schwere Not der Zeit und ohne den Gedanken eines jüdischen Reiches wäre eine Verbreitung des Zionismus außerhalb Österreichs nie möglich gewesen. Der Antisemitismus behauptet: ,,Die Juden sind eine fremde Rasse, die in unsern deutschen Volkskörper nicht hineinpaßt, die das Deutschtum zerstört und verjudet, die deshalb bekämpft und möglichst aus Deutschland entfernt werden sollte." Diese Behauptung ist es, die die deutschen Juden am tiefsten empört, am empfindlichsten kränkt, am schwersten beleidigt. Die Entrüstung, die jeden deutsch fühlenden und denkenden Juden solcher nichtswürdigen Anschuldigung gegenüber erfüllt^ hat Gabriel Risser, der Vorkämpfer für die Rechte der deutschen Juden, bereits vor 90 Jahren in den flammenden Worten Ausdruck gegeben: „Wer mir den Anspruch auf mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, auf die Sprache, die ich rede, auf die Luft,, die ich atme; darum muß ich mich gegen ihn wehren, wie gegen einen Mörder." Und diese Anschuldigung und Verleumdung wird vom Zionismus nicht nur nicht zurückgewiesen, sondern gestärkt und befördert! Gewiß sind wir Juden nicht nur eine religiöse Gemeinschaft, sondern wir fühlen uns auch mit Stolz als Glieder eines

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