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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-08-01 · Heft 8 (August 1920) · p. Seite 147

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 8 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
Seite 147 (sequence 7)
Language
German
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— 147 — zu einer Frage herangewachsen, zu der Frage: was können w i r zur Erleichterung der Lage unserer unglücklichen Glaubensbrüder tun? eine Frage, deren Lösung gefunden werden muß. Zunächst will der Zionismus: den Juden Ostens, die nicht vorwärts noch zurückfluten können, die unter einem Druck leben, wie keine ander Volk der Welt, eine Heimstätte bereiten, die Wandernden in möglichst großer Zahl nach dieser Heimstätte lenken. Das sei der sozial-politische Gedanke des Zionismus. Wenn nur diese Forderung der Inhalt und der Zweck des Zionismus wäre, wahrlich, jeder Jude könnte Anhänger der Bewegung sein. Aber diese Aufgabe ist nur Mittel zum Zweck! Der Zionismus faßt diese Forderung als Volksfrage auf, will sie, ebenso wie die ganze sogenannte Judenfrage durch Volkspolitik lösen. Er behauptet, nur der .nationale Gedanke könne die Lösung herbeiführen. Es erscheint notwendig, auf die Entstehung des nationalen Zionismais und dessen Ursachen einzugehen. Die Idee des nationalen Zionismus erstand in einem Reiche, das nicht von einer in sich einigen Nation, einem homogenen Volk6 bewohnt war, wie unser Vaterland, dessen Staatsangehörige nicht durch gemeinsame Sprache, gleiche Bildungsart verbunden, nicht von gleichen Kunstinteressen und gleichen wissenschaftlichen Bestrebungen beseelt war, sondern aus einem Staate, der aus einem Konglomerat von nebeneinanderwohnenden Nationen, jede der anderen fremd an Sprache und Sitte, getrennt in Zielen und Interessen, gebildet wurde. Es gab dort Deutsche und Tschechen, Polen und Ruthenen, Slowaken und Slowenen, Kroaten und Panduren, Italiäner und — Juden, aber kaum Staatsangehörige, die sich nur als Österreicher bezeichneten. Nur in einem solchen Lande konnte die Idee, auch die Juden politisch zu vereinen, entstehen, nur dort der national-jüdische Gedanke erwachen. Für ein solches Land ist der Gedanke auch wohl zu verstehen. Zu einem Zeitpunkte, in welchem die Nationalitätsstreitigkeiten in Österreich einen Höhepunkt erreicht hatten, erschien ein Buch eines bis dahin wenig bekannten Dichters, Theodor Herzls, „Der Judenstaat",, in welchem ein Gemälde eines nur von Juden bewohnten und geleiteten Landes gegeben wurde, in welchem der in der Luft liegende jüdische Nationalitätsgedanke ausgemalt war. Wie ein Blitz schlug die Idee in die österreichischen jüdischen Politiker ein. Mit Eifer verfolgte der Verfasser seine Gedanken, es gelang ihm, eine Anzahl geistig hochstehender Männer für dieselbe zu gewinnen, und damit war der nationale Zionismus geboren.

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