Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 8 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 146 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 146 — an Feiertagen hinzufügen: „dort wollen wir Dir dienen in Ehrfurcht, wie in alten Tagen und vergangenen Zeiten"; dreimal täglich flehen: „Erlöse uns um Deines Namens willen, sammle uns von den Enden der Erde, setze wieder Richter ein, wie ehemals, aber regiere Du, o Gott, allein über uns in Gnade, Barmherzigkeit, kehre in Erbarmen nach Jerusalem, Deiner Stadt, zurück, lasse den früheren Dienst zu Deiner Ehre wieder einrichten und gib uns Frieden, Heil und Segen" so sind damit nur die Gedanken der großen Propheten weiter gesponnen, aber beileibe nicht weltliche Ziele und nationale Bestrebungen ausgesprochen. Das fühlt und weiß der Zionismus, deshalb nennt er sich selbst eine politische Bewegung. Deshalb will er auch zu religiösen Fragen keine Stellung nehmen, scheidet alles Religiöse aus seinen Bestrebungen aus und erklärt Religion für Privatangelegenheit des einzelnen. iWenn im Laufe der Jahrtausende vereinzelt Versuche auftraten, durch menschliche Einwirkungen den unerforscht liehen Ratschlägen Gottes vorzugreifen, wenn solche Versuche mit dem Mantel der messianischen Idee geschmückt wurden, dann traten stets unsere Großen und Lehrer mit aller Macht und Kraft gegen solche Bewegungen auf. Nur von Gottes Hilfe wurde und wird das messianische Endziel erwartet. Der Schüler Rabbi Akibas, Rabbi Jochanan Hasandler, zog aus dessen Märtyrertode die Lehre, die uns in den Pirke Aboth überliefert ist: „Jede Vereinigung um Gottes willen hat Bestand, ist sie aber nicht um Gotteswillen getroffen, dann geht sie zu Grunde." Ich glaube, erwiesen zu haben, daß auch vom religiösen Standpunkt aus der Zionismus abzulehnen ist. Und drittens muß ich die nationalen Ideen des Zionismus vom nationalen Standpunkte aus ablehnen. Der Zionismus behauptet, die Judenfrage durch seine nationalen Bestrebungen lösen zu können. Für uns Juden sollte es keine andere Judenfrage geben, als die Herbeiführung der vollen, unbeschränkten Gleichberechtigung und der energischen Abwehr aller Gegenströmungen. Nur für unsere Feinde gibt es eine Judenfrage, für alle diejenigen, denen wir aus irgendwelchen Gründen unbequem sind. Für solche Judenfrage ist mit vollem Recht der Ausdruck „Antisemitismus" zu setzen. In östlichen Gegenden ist die traurige Behandlung und Befeindung der Juden allerdings