Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 8 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 143 — die sittliche Empörung und religiöse Begeisterung. Ein kleines Häuflein erhob sich mit den Waffen in der Hand zur Wahrung unserer heiligsten Güter, nahm unbekümmert um Leid und Gefahren, ohne Furcht vor Tod und Untergang, den Kampf mit der gewaltigen Großmacht aüf. Kein Gedanke an nationale Interessen, keine Hoffnung auf politische Selbständigkeit bewegte die Makkabäer zu ihrem beispiellos in der Geschichte dastehenden Kampfe. Mit dem Rufe: Hallel! Für Gott und Religion! stürzten sie in die Schlacht, bluteten und siegten. Juda Makkabäus war längst gefallen, sein tapferer Bruder Jonatan hatte längst unter Mörderhänden sein Leben beendet, jahrelang hatte der dritte der Brüder, der kluge Simon, Volksführung und Priestertum in seiner Person vereinigt, als von außen kommende Einwirkungen, die verlockenden Vorschläge der schlauesten aller Diplomaten, die je auf Erden gewaltet, die Versprechungen Roms, Simon verleiteten, die nationale Selbständigkeit durch Verweigerung der Abgaben an Syrien und Annahme der Königs würde zu erreichen. Rom hatte genau gewußt, was es mit diesem Rate wollte, es war der erste Schritt, einen Keil in die syrische Weltmacht zu treiben. Nur etwa 70 Jahre konnte sich Judäa einer politischen Selbständigkeit erfreuen, dann war Roms Saat reif. Mehr und mehr schlug die römische Falschheit Judäa in Fesseln und Bande, bis es erst zu einer römischen Provinz herabsank, und endlich Jerusalem durch Titus in Trümmer gelegt wurde. Nur kurz sei darauf hingewiesen, daß die Uberschrift des Kreuzes, klar und deutlich zeigt, weshalb der Stifter des Christentums von den Römern dem Tode geweiht wurde : Jesus nazarenus rex judaeorum, Jesus von Nazareth König der Juden. Mit der zweiten Zerstörung Jerusalems war es endgültig mit jeder politischen Selbständigkeit Judas zu Ende. 60 Jahre nach Jerusalems Fall brachte es der unglückliche Versuch Bar Kochba's, die staatliche Wiederherstellung auf religiöser Grundlage herbeizuführen, nur zu einem kurzen Traum, dem schreckliches Erwachen folgte. Bar Kochba, der für den Messias gehalten war, starb mit vielen Tausenden den Heldentod, die geistig-religiösen Führer der Erhebung, Rabbi Akiba, Rabbi Chananja und ^iele andere, endeten unter den gräßlichsten Folterqualen. Das Wort der Propheten Secharia, welches er dem Führer der aus Babylon nach dem heiligen Lande Zurückkehrenden, Serubabel, zugerufen hatte : „Nicht durch Kriegsmacht, nicht durch Gewalt, sondern in meinem Geiste, spricht der Herr Zebaoth!" (Sech. 4. 6.) hatte sich wiederum als einzig wahre Richtschnur erwiesen