Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 8 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 142 - geschichtlichen Urkunden ist keine Spur von politischen Zielen, von Hoffnungen auf nationale Selbständigkeit, zu finden. Es gab nur das Streben nach Neubelebung und Erhaltung der Religion. Unsere Vorfahren wollten nichts anderes, als ungestört der Ausübung ihrer Religion nachleben zu können. Durch das im Exil eifrig getriebene Studium der prophetischen Schriften waren die Anklagen gegen die Fürsten und Großen zur allgemeinen Kenntnis gelangt, war die Tatsache, daß die Propheten die Könige auf das Ernsteste gewarnt hatten, sich nicht gegen die assyrische Oberherrschaft aufzulehnen, dem. ganzen Volke bewußt, war die Ursache des furchtbaren Unglücks, das Streben der herrschenden Kreise nach politischer Unabhängigkeit, allgemein bekannt. Die persische Regierung war sich dessen bewußt, demnach gelang es der feindlichen Nachbarschaft Judas, nach eingetretenem Thronwechsel in Persien, gerade durch d i e Anklage den Weiterbau des Tempels zu verhindern, daß die Juden die Wiederaufrichtung Jerusalems nur als Vorwand für ihr Endziel, die Loslösung von der persischen Oberhoheit, aufstellten. Erst nach längeren Jahren gelang es den Führern der Juden, die Regierung von der Grundlosigkeit der feindseligen Anschuldigung zu überzeugen und die Erlaubnis zum Weiterbau zu erlangen. Fast 400 Jahre lebten dann die Juden ungestört ihren religiösen Interessen unter fremder Oberhoheit. In den Blättern der Geschichte findet sich keine Andeutung, daß irgendein Streben nach nationaler Selbständigkeit in dieser langen, und glücklichen Zeit obgewaltet hat. Aber der Haß und. Neid der Nachbarn, die dem kleinen Volke sein stilles, nur der Religionsübung gewidmetes Dasein nicht gönnten, dadurch vermehrt, weil sie von der Teilnahme an demselben zurückgewiesen wurden, ruhte nicht. Als ein charakterschwacher Regent den syrischen Thron bestieg, wurde den feindlichen Einflüsterungen Gehör gegeben. Antiochus Epiphanes, der Glänzende, wie die Schmeichler ihn lobten, Epimanes, der Rasende, wie die Juden ihn nannten, fand den einzigen Weg, der Beunruhigung, Aufregung und endlich Empörung der Juden, die gewollte Ursache für ihre Unterdrückung und Vernichtung herbeiführen konnte. Er streckte seine Hand nach dem aus, was den Juden unantastbar war und ist. Er verbot die Ausübung aller religiösen Gebote, hinderte die Sabbatfeier, verunreinigte das Heiligtum, verbot die Beschneidung und befahl die Aufhebung der Speisegesetze. Gerade wie heute noch ganz Israel wie ein Mann zusammensteht, wenn es gilt, die Reinheit und Heiligkeit unserer Religion zu verteidigen, so vermochte dies auch damals