Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 8 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Nr. 8 August 1920 Jahrg. II Inhalt: Warum kann ich nicht Zionist sein? — Schrifttum und Literatur, — Bücherschau. — Protokoll. — Spender-Liste, — Verbands- und Vereinsnachrichten. Warum kann ich nicht Zionist sein? Von Joseph Kauffmann - Berlin. Der im Jahre 1897 organisierte Zionismus hat auf seinem ersten Kongreß als Grundbestimmung festgesetzt: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Gegen diese grundlegende Bestimmung waren die Bedenken gerichtet, die sich fast in der gesamten deutschen Judenheit sofort erhoben. In diesem Grundsatze war der Nationalismus ausgesprochen. Dieser Gedanke hat sich im Zionismus im Laufe der Jahre mehr und mehr ausgeprägt, er ist der Grund der Ablehnung des Zionismus seitens der großen Mehrheit der deutschen Juden, aber auch eine verlockende Idee für jugendliche, namentlich etwas schwärmerisch angelegte Gemüter. Für die Gegnerschaft gegen diesen Nationalitätsgedanken, also gegen den Kernpunkt des Zionismus, sehe ich drei Gründe, den geschichtlichen, den religiösen und den nationalen. Zunächst die historische Begründung: Seit der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar war '.die Sehnsucht nach Zion den Herzen der Juden eingegraben.. Die tröstenden Voraussagungen des Jesaia und "der anderen nachexilischen Propheten hatten die Hoffnungen auf eine Wiederaufrichtung der Zentrale unserer Religion, des Heiligtums zu Jerusalem, erweckt und bestärkt. Zwei Menschenalter waren seit der Zerstörung verflossen, als die milde Gerechtigkeit des großen Perserkönigs Ceyrus den Wiederaufbau des Tempels gestattete. War schon unter den letzten Königen von Juda kaum noch von einer Selbständigkeit des Reiches die Rede gewesen, so war m i t der Zerstörung und nach derselben jeder andere Gedanke, als die Wiederherstellung eines religiösen Mittelpunktes, von unsern Vorfahren aufgegeben. In unsern