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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 133

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 133 (sequence 13)
Language
German
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— 133 — präsentantenwahlen ein ganz anderes Resultat haben müssen, denn inzwischen ist ja jene Jugend herangereift. In Wahrheit liegt es doch so, daß es weite Kreise der deutschen Judenheit zwar durchaus anerkennen, was Nützliches von zionistischer Seite geleistet worden ist, daß sie andererseits aber auch nicht blind für die Gefahren sind, welche von dem extremen Nationalismus drohen. Besonders charakteristisch ist ja die Tatsache, daß innerhalb der zionistischen Reihen selbst eine Reaktion gegen den extremen Nationalismus anzuheben beginnt. Mit jenen gemäßigten Elementen, die sich mit den rein politischen Zielen begnügen, ist eine Verständigung sehr wohl möglich und wünschenswert. Die herrschende Richtung aber im Zionismus, die hier in Deutschland aus den jüdischen Religionsgemeinden jüdische Volksgemeinden machen will, bedeutet eine schwere Gefahr für das deutsche Judentum. Ich habe äuf diese Gefahr seit jeher hingewiesen, und es sei mir gestattet, zur Ergänzung des vorliegenden Artikels auf meine Arbeiten in der Allgemeinen Zeitung des Judentums vom März 1918, im Freien Wort vom Oktober 1917 sowie in den Grenzboten 1918 hinzuweisen. Gerade der heutige extreme Nationalismus beweist, daß die Bedenken, die ich damals ausgesprochen habe, noch heute zu Recht bestehen. Besonders sei darauf hingewiesen, daß der Zionismus teilweise einen Nationalismus predigt, der dem Chauvinismus, wie .er etwa von den Alldeutschen getrieben wird, vollkommen entspricht. Es ist charakteristisch, daß in einer Debatte, welche in der Berliner Friedensgesellschaft kürzlich (21. Juni) über das Problem „Rassenfrage und Pazifismus" geführt wurde, sowohl von jüdischer wie von nichtjüdischer Seite ganz einmütig auf diese Gefahr hingewiesen wurde. Eine der angesehensten Persönlichkeiten der Berliner Friedensgesellschaft (Herr von Ossietzky) erklärte, daß der Eindruck, den er als Gast in einer großen zionistischen Versammlung hatte, genau der gleiche war wie der, den eine alldeutsche Versammlung in ihm hervorruft. Anzuerkennen ist freilich der Idealismus und die praktische Opferwilligkeit vieler Nationaljuden, und schon deshalb sollten wir die Gegnerschaft zu ihnen niemals übertreiben, sondern uns immer bewußt bleiben, welche starken Bande uns verknüpfen. Andererseits ist es eine Gefahr für die jüdische Gemeinschaft, daß gegen diejenigen deutschen Juden, welche dem Nationalismus ablehnend gegenüberstehen und die im Zentralverein organisiert sind, Leute das Wort ergreifen, denen die wissenschaftliche Vorbildung und Reife fehlt und die durch mehr gesinnungstüchtige als tiefe Behandlung jüdischer Probleme sich schnell und mühejos einen Namen zu machen suchen.

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