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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 132

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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— 132 — keine sonderlich liebevolle Behandlung erfuhr, pflanzte sich die Stimmung des Ärgers gegen angebliche oder wirkliche Ausnutzung der Religion zur Stützung der herrschenden Kasten auch in unsern Reihen fort, und erzeugte merkwürdigerweise unter vielen Juden eine Animosität gegen das Judentum, der auch nicht der Schein eines Rechtes zur Seite steht. Wir, unsere religiösen Institutionen-, haben doch wahrlich nichts getan, was so ähnlich aussähe, wie Kampf gegen berechtigte Freiheiten und die Aufrichtung starker persönlicher Lebensmächte. Tut' nichts! Weil die allgemeinen Stimmungen aus solchen Meinungen und Vorurteilen sich nähren, die — beiläufig gesagt — uns ungeheuer übertrieben erscheinen, müssen auch w i r darunter leiden. Dagegen hat es nur ein Mittel, und dieses Mittel gibt wirklich demokratische Überzeugung an die Hand. Sie verlangt von jedem Einzelnen, wenn er sich der Rechte würdig zeigen soll, die ihm Überträgen sind, daß er seine Augen auftue und sich nicht verblüffen und betrügen lasse durch irgend welche Schlagworte von Verdummung und Versklavung, von Pfaffenbetrug und ähnlichen Dingen. Kein gerecht Denkender, der auch nur eine Spur von Sachkunde und Menschenkenntnis besitzt, wird glauben können, daß die wirklich religiösen Juden an geistiger Freiheit, an Selbständigkeit des Urteilens und an Bildung den Indifferenten und Kalten auch nur das Mindeste nachgeben. Aber eins besitzen sie, was gerade in den Gefahren eines demokratischen Zeitalters am allernötigsten tut: Ehrfurcht — Ehrfurcht nicht vor irgend einem Popanz, der heute modern ist und morgen modert, sondern Ehrfurcht vor dem Heiligen, dem Göttlichen, und alle Ehrfurcht vor dem Göttlichen muß sich letzten Endes auswirken in Respekt vor dem wahrhaft Menschlichen. Das ist der Sinn der echten Demokratie. Von ihr glauben wir, daß ihr Anfang für das Ende zeugt. Wie ihr geistiger Charakter religiösen Quellen entströmt ist, so muß sie, bleibt sie nur ihrem wahren Wesen getreu, in der Schaffung eines wirklich religiösen Geistes gipfeln. Der jüdische Nationalismus und die Jugend. Ein Nachwort zu den Berliner Repräsentantenwahlen. Von Rechtsanwalt Dr. Ernst Eiduard Schweitzer - Berlin. Die Repräsentantenwahlen in Berlin und Breslau haben mit einer schweren Niederlage der Zionisten geendet. Dieses Resultat wird für weite Kreise überzeugend gewesen sein, denn schon haben sich die Zionisten als die berufenen Vertreter der deutschen Judenheit erklärt. Seit etwa 10 Jahren behaupten die Zionisten, daß zum mindesten die jüdische Jugend zu ihnen steht. Wäre dies richtig, so hätten sie bei den Re-

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