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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 131

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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— 131 — über Religion und ihrer Organisation nichts weniger als feindlich war. Wie ist dieser Gegensatz zwischen deutscher und englisch-amerikanischer Demokratie zu erklären. Die breiten Massen des nichtkatholischen Deutschlands lebten — mit Recht oder mit Unrecht — des Glaubens, daß die Religion auf's engste mit dem Obrigkeitsstaat verknüpft, und vielfach von ihm zu einem Instrument für die Niederhaltung, Zähmung und Bändigung des Volkes mißbraucht worden sei. Daß solche zynische Ansichten bei nicht wenigen einst führenden Männern wirklich gehegt wurden, das unterliegt keinem Zweifel. Und so passierte es dem Kinde, mit dem Bade ausgeschüttet zu werden. Tiefer Haß fraß längst an dem ganzen alten Regime, und er fordert jetzt auch dieses Opfer. Wie liegt die Sache für uns Juden? Sollte die Trennung zwischen Kirche und Staat Wirklichkeit werden, so muß sie tiefgreifende Verwandlungen auch in unserem Gemeindewesen vollziehen. Wir wollen nur von der Stimmung reden, die wir gerechterweise nur als Juden von demokratischem Standpunkte aus zur Religion einzunehmen haben. Und hier möchten wir an die Einsicht aller denkenden Glaubensgenossen appellieren. Wir Juden müssen stets um fremder Sünden willen Leid tragen. So erging und ergeht es uns auch in dieser Frage. Wo stehen heutzutage die Träger des eigentlich und wirklich religiös jüdischen Lebens in Deutschland? Haben wir sie in der sozialen Stufenleiter mehr oben oder unten zu suchen? — Es unterliegt wohl keiner Frage, daß die, welche sich selber zu den sozial Höherstehenden rechnen, jüdisch-religiös im allgemeinen viel weniger interessiert sind als die andern. Wir wollen damit die für unsere Glaubensgemeinschaft oft recht nützliche Tätigkeit jener im Dienste der Erlangung voller Gleichberechtigung und der Abwehr antisemitischer Angriffe durchaus nicht verkennen. Aber Träger des eigentlich religiösen Lebens, wo solches überhaupt blüht, sind vornehmlich die breiteren Schichten der jüdischen Gesellschaft, in denen Tradition und Pietät mehr gehegt und respektiert wird als anderwärts. Es hat doch sogar einmal bei uns eine Zeit gegeben, da der Begriff der Vornehmheit die Abkehr vom jüdischen Leben beinah zur Pflicht zu machen sqhien; und die Tatsache bleibt bestehen, daß uns die Stützen der religiösen Gestaltung gerade von den sogenannten höheren Kreisen her viel mehr fehlten als z. B. der preußischen Landeskirche. Diese war fest mit dem Staate verwachsen. Und der Staat sorgte dafür, daß mindestens offiziell gerade seine führenden Mitglieder mit dem guten Beispiel der Kirchlichkeit vorangingen. Nun ist bei uns Juden folgende merkwürdige Verwechslung der Dinge eingetreten: Indem man übersah, daß unsere jüdische Gemeinschaft — weiß Gott! —• vom Staat

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