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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 128

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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— 128 — hafte Trachten, eine Wirtschaftsordnung zu erzwingen, die jedem Teil -gibt an dem Guten der Welt und so erst ein menschenwürdiges Leben erzeugt, ist eine Theorie ohne den Mut zur Praxis, ein Schwert ohne Schneide, Steine statt Brot. Darum sehen wir, wie die prophetische Religion im engsten Zusammenhang mit dem Gedanken von Gott, Humanität, Gerechtigkeit, Milde und Liebe das soziale Gesetz erfindet. Es ist von den Einzelheiten hier nicht zu reden; nur ihre grandioseste Leistung, die in unseren Tagen in neuer Form höchstwahrscheinlich ihre Erfüllung finden wird, sei erwähnt. Alles, was Menschengut und irdischer Besitz ist, keimt aus dem Boden hervor; der Acker, die Mutter Erde, sie sind die Spender aller Werte. Darum dürfen sie keine Handelsware werden, kein Spekulationsobjekt, sondern bleiben im Prinzip unverkäuflich, ihrem Bearbeiter nur zur Nutznießung überlassen. Gott ist der Herr des Bodens, so drückt es Moses in antik-religiöser Form aus. Wir würden heute sagen, das Grundeigentum des souveränen Volkes muß der individuellen Laune und Ausbeutungssucht entzogen werden. Es ist grundsätzlich der Besitz aller. Wir wollen hier nicht von alt-israelitischem Arbeitsrecht mit anderen oft gehörten Dingen sprechen, aber auf den Zusammenhang aufmerksam machen, der hier zwischen Geistigem und Stofflichen leuchtend ins Auge fällt. ' Mit Recht macht man der Theorie des modernen Sozialismus den Vorwurf, daß er durchaus im Materiellen befangen, nur ans Materielle denkend, sich nicht zur Freiheit wirklich seelischen Lebens, zur Gipfelhöhe des Geistes emporzutragen weiß. In der Tat, wenn wirtschaftliche Nöte durch wirtschaftliche Maßnahmen behoben werden sollen, um zu weiter nichts zu führen als zur wirtschaftlichen Sorglosigkeit, dann sagen wir uns grade heute, wo noch das Blut unzähliger Hingemordeten zum Himtnel dampft: es ist alles gleich. Wenn nicht grundsätzlich auf ein Geistiges, Heiliges, Göttliches abgezielt wird, auf ein Dasein, für welches die Wirtschaft nur die unumgängliche Vorbedingung, aber immer nur Mittel und niemals Ziel bedeutet, was soll dann überhaupt die Last dieses Lebens? Die Tendenz des religiösen Sozialismus ist die Tendenz der Wahrheit, „die Richtung aufs Echte und tiefstens Wirkliche". Ihr Symbol — der Gedanke von Gott. So fordern die Propheten nicht des guten Essens und Trinkens wegen, an dem alle beteiligt sein sollen, sondern um der Menschenwürde willen, um einem Leben vor Gott den Weg zu bereiten, Selbstzucht und Bescheidung der Reichen. Und was an ihnen und ihren Theorien gelegen hat, so konnte Reichtum, dem immer die Armut gegenüber steht, gar nicht erst aufkommen. < So ist die Möglichkeit zu innerer Freiheit gegeben; die

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