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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 126

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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- 126 — Band gewaltsam aufzulösen-, das unser öffentliches Leben mit Religion und Kirchenwesen verschlingt. Mit Recht oder mit Unrecht, das bleibe dahingestellt. Aber die offenkundig feindliche Tendenz, von der die Form jener angestrebten Lösung zeugte, verriet nicht bloß Ungeschicklichkeit, sondern tiefe historische Undankbarkeit einer Idee gegenüber, die man nicht straflos verletzen wird. Wir wollen hier zeigen^ was Religion ihrem Geiste und Begriffe nach mit Demokratie zu tun hat; was freilich, nicht gleichbedeutend mit der Frage ist, wie die einzelnen, besonderen Religionen sich mit der grundlegenden Forderung des demokratischen Gedankens abgefunden haben. Aber wenn er in der Tiefe ihres Wesens steckt, so dürfen wir wohl annehmen, daß die Ausstrahlungen dieses Wesens auch von ihm Zeugnis ablegen. Uns leitet der religiöse Charakter des Judentums. Welche politisch-moralische Bedeutung hat die Lehre von dem ei n e n Gott, an dem jüdische Frömmigkeit sich entzündet? Sehr früh ist der gleichsam irdische Sinn dieses Dogmas empfunden worden: Ein Gott, das heißt — in menschliche praktische Konsequenz ausgedacht — eine Menschheit.. So haben die religiösen Heroen des jüdischen Volkes, Arnos, Jesaia, Micha, Jeremia kla,r verstanden, daß Monotheismus internationale Gerechtigkeit will. Alle sollen den einen Gott lieben und in der Erkenntnis seiner als des Höchsten als Brüder leben. So werden Völkerbund und Weltfrieden, das Umschmieden der Schwerter zu Sicheln, und „daß man den Krieg nicht mehr erlernen" würde, zu prophetischen Forderungen, die ohne Unterlaß erhoben werden. Was für eine Anschauung vom Menschen, vom Einzelnen, liegt solcher Idee zu Grunde? Daß er das Ebenbild Gottes und daß Sünde, Frevel, Gewalttat gegen ihn Sünde und Frevel gegen den Heiligen selber ist. Das wahre Wesen des Menschen ist am währen Wesen Gottes entdeckt worden; und das Licht, in dem der Höchste, der Heilige, erstrahlte, beleuchtet erst die Menschenseele in ihrem wahren Sein. Was ist Demokratie? Die wörtliche Übersetzung „Herrschaft des Volkes", die Selbstregierung der souveränen Nation, steht im Gegensatz zu allem absolutistisch autokraten Regiment, in welchem eine Masse unterworfener Untertanen, nur Untergebener, dem Machtspruch eines oder einiger weniger Bevorrechtigter gehorcht. Demokratie heißt Gleichheit, Egalite. Aber die Egalite ist sinnlos, wo sie nicht gipfelt in der Fraternite, in der Brüderlichkeit, in der Menschlichkeit, in der Humanität. Demokratie setzt den Glauben an den Menschen voraus, den Menschen, dessen innerstes Wesen respektiert, gewürdigt, geliebt werden muß, auf daß d i e Menschen gedeihen. Keine Demokratie ohne Optimismus. In diesem

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