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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 125

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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— 125 — serer Zeit an diesem Wort geschehen muß. Und nach allem Gesagten selbstverständlich.: wir lesen den Text in seiner heiligen Schlichtheit, wie er seit Jahrtausenden vorliegt, wir treiben keine Bibelkritik und ziehen keine Philosophen als Zeugen heran. So einfach das klingt: leicht ist es nicht. Nicht etwa, weil der Text der heiligen Schrift allzugroße Schwierigkeiten böte; die moderne Bibelforschung hat ja keine Dinge entdeckt, die von unseren Weisen übersehen waren: sie hat nur Dingen einen Wert gegeben, die von Jenen nicht wichtig genommen wurden; sie hat den Kernwert verleugnet. Das aber gerade i s t schwer: diesen Kernwert wieder aufzudecken. Es heißt :Offenbärung. Ja, Offenbarung strömt aus der Schrift — ein Leben, das, wie keins aus irgend einer Quelle, uns das Gefühl des Bodens unter den Füßen wiedergibt, das diese Zeit verloren hat. Ja, es ist uns im Laufe einer gemeinsamen Stunde autgegangen, daß es gar nichts Neueres, nichts Moderneres" gibt, als die uralte Kunde des heiligen Buchs. Es hilft wenig, darüber zu reden. Ich kann hier nur sagen, wie es mir, wie es uns ergangen ist. Ich kann keinem versprechen, daß er die gleiche Erfahrung machen wird. Aber ich möchte in jedem das Verlangen erwecken und den Mut — ja, den Mut! — sie zumachen._ Religion und Demokratie. Von Rabbiner Dr. Wiener- Stettin. In der Natur gibt es kein Wunder, kein einziges. Das wahre Wunder, das wir erleben, beruht allein darin, daß nicht nur Natur besteht, sondern ein Leben des Geistes, das — mitten hineingestellt in natürliches Dasein und irdisch materielle Wirklichkeit — von der Kraft des eigenen Gedankens bewegt, durch die Wucht der Ideen getrieben wird. So prägt sich die Menschheit ihre geistige Form durch Ideen, die sie durch eigene Schöpfertätigkeit erzeugt; und indem diese über das Dunkel ihres Weges strahlen, ist es immer der Geist, der uns den Weg bereitet. Wir sehen heute die Völker in furchtbaren inneren Kämpfen verkrampft; wir erleben in unserem Vaterlande die große demokratisch-soziale Revolution. Sofern diese Bewegungen von Gedanken und vernünftigen Zielen geleitet werden, sofern sie nicht bloß die Offenbarung wahnsinniger Verblendung und brutaler Raubinstinkte freigelassener Sklaven sind, scheint sich ausschließlich politischer Geist in ihnen auszuwirken. Das aber ist — genau besehen — ein Irrtum. Die verschiedensten Kräfte geistigen Lebens haben vielmehr zusammengewirkt, um die gedanklichen Voraussetzungen für die Weltenwende zu schaffen. Eine der ersten Taten des neuen Regiments in Preußen war der mit täppischer Hand unternommene Versuch, das

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