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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-07-01 · Heft 7 (Juli 1920) · p. Seite 124

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 7 (Juli 1920)
Date
1920-07-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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— 124 — und her wenden mag, bis Monstra von Lehrgebäuden daraus werden, wie die religiös-philosophischen Gebilde des indischen Geistes^ Besinnen wir uns nur einmal ganz einfach auf unser ewiges Verhältnis zur heiligen Schrift als Juden; nicht als sogenannte „Gebildete" oder noch sogenanntere „moderne Menschen"! -r- Sofort spüren wir, daß ,. Bibelkritik" (sie mag wissenschaftlich noch so Tüchtiges leisten, den Text literargeschichtlich in die Weltliteratur einzuordnen) und Philosophie (sie mag sich noch so große Mühe gegeben haben, den Idealismus'von Piaton bis Kant hinein zu interpretieren) uns der heiligen Schrift entfremdet, unserem lesenden, „lernenden" Auge die Ünmittelbarkeit genommen hat. Diese Unmittelbarkeit aber heißt es wiedergewinnen. Verstehe man mich recht! Nicht als ob ich sagte: es darf keine Bibelkritik geben, — es s o 11 nicht philosophiert werden. Das sind Dinge, die durch ein „Verbot" gerade erst recht hervorgerufen würden. Nein: wenn wir es vermögen — und es i s t möglich — diese Dinge gewissermaßen einmal „einzuklammern", sie im einfachen und schlichten Lesen auszuschalten, dann fällt mit einem Mlal alles das von der heiligen Schrift ab, was nur durch die Mittelbarkeiten der Wissenschaft und der Philosophie zum toten Buchstaben geworden ist und es spricht zu uns ein Leben, gleich dem unsern, ein ewig Heutiges; das jüdische Leben quillt auf und erfüllt unsere Gegenwart: aus dieser Stunde schlichten Vertrauens wächst ein heiliges Jetzt. Wie aber mag das geschehen? Ich kann hier nur mitteilen, wie ich selber es mit einem Kreis junger Freunde mache. Das vor allem scheint mir wichtig: es sind junge Menschen, Suchende und Kämpfende, an denen sich das Wunder der Unmittelbarkeit vollzieht. Wir lesen ganz einfach, nehmen den Bericht, die Rede, alles Menschliche und alles Heilige hin und sprechen mit den Menschen der Schrift. Und plötzlich, ganz von selbst, sind sie uns vertraut, leben sie unter uns, mit uns. Sie begegnen uns in unserem Alltag, sie sind nicht Heroen, nicht Heilige — es sind Menschen, die den gleichen Lebensgang gehen, wie wir : nur mit dem Unterschied, daß es ungebrochene Menschen sind, daß kein Begriff, kein totes Zeichen, kein Wenn und Aber sich eindrängt zwischen sie und Gott. Wir lesen ganz einfach. Wir lesen, da die Ursprache den meisten von uns verschlossen ist, in unserer Sprache. Wir sind dabei gewiß, daß wir nichts anderes tun, nichts Schlimmeres jedenfalls, als was unsere Vorväter schon einmal taten. Ferner lesen wir nicht nach der beliebten Unsitte „ausgewählte Kapitel"; wir lesen das Ganze. Wir haben mit dem Anfang begonnen und schon in dem ersten „Gott schuf" die ganze geistige Umkehr erlebt, die der Entwicklungsvergottüng un-

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