Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 113 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 113 — solcher Stein wird bei der Erzählung von Jakobs Traum erwähnt, und Jakob nennt diesen Stein Beth-el, d. h. Gotteshaus. Ein andermal werden solche Steine beim Zug durch den Jordan als Erinnerungssteine aufgestellt. Uber eine andere Sitte der Kanaanäer belehren uns die Tafeln von Taanach, einem Ort in der Nähe von Megido am Südrande der Jesreel-Ebene. Hier hat man in Fundamenten der Häuser Kinderleichen gefunden, welche die schon in der Bibel erwähnte Sitte der kanaanitischen Bevölkerung bezeugen, daß man die Leichen geopferter Kinder im Fundament begräbt, um damit das Unglück vom Hause zu bannen. Obgleich sich Ägypten zur Zeit der Einwanderung überhaupt nicht um Palästina kümjmert, wird es Israel nicht zu leicht gemacht, hier festen Fuß zu fassen. Die ganze nächste Zeit bis zur Regierung Sauls ist mit Kämpfen gegen Palästinas Bevölkerung ausgefüllt. Erst David gelingt es, die Machtstellung Israels fest zu begründen. Schon unter der Regierung seines Sohnes Salomo aber tritt ein Umschwung ein, denn nun sieht Ägypten dem mächtigen Treiben Israels nicht mehr ruhig zu, sondern rüstet sich langsam zu einem Zug nach Palästina, um sich dort als Herrscher zu behaupten. Zu Salomos Zeiten selbst kommt dieser Feldzug nicht mehr zustande. Daß die Kluft zwischen den beiden Mächten überbrückt wird, geht daraus hervor, daß Salomo eine ägyptische Königstochter heiratet. Nach seinem Tode aber unternimmt Pharao Sisak, oder wie ihn die ägyptische Urkunde „Schoschenk I." nennt, den Feldzug, trägt einen glänzenden Sieg davon, dringt in den Tempel zu Jerusalem ein, bemächtigt sich des Tempelschatzes und wertvoller Kultgeräte und führt viele Israeliten gefangen nach Ägypten. Der biblische Bericht wird durch eine ägyptische Urkunde erhellt, in der Sisak von dem Siege über Israel spricht; die bildliche Darstellung zeigt einen Gott und eine Göttin, die eine große Anzahl von Menschen mit Stricken gebunden dem König zuführen. Nun beginnt der politische Niedergang Israels. Zur äußeren Niederlage kommt noch der schrecklichste Bürgerkrieg im Innern. Ein Königsmord folgt auf den anderen, so daß das Land nicht zur Ruhe kommen kann. Diese Situation nutzen die Moabiter aus. Sie empören sich unter der Führung ihres Königs Mesa, der Joram, den König von Israel, vollständig besiegt. Er beschreibt dieses Ereignis durch Wort und Bild auf einer Siegessäule, die man bei Dibon gefunden hat. Aus dieser Säule erfahren wir noch näheres über die Zeit, in der Moab unter dem Joch Israels hat leiden müsseh. Dann folgt die Zeit des Jehn, der, nachdem er das Volk mit Gewalt vom verderblichen Königshaus Ahabs befreit hat, den Untergang dadurch aufhalten zu können glaubt, daß er sich dem Assyrer-