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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. Seite 108

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 108 (sequence 8)
Language
German
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— 108 — Auf zur Arbeit! Im Dezember 1913 wurde von der liberalen Vereinigung eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Ausarbeitung eines liberalen Gebetbuches befassen sollte. Diese Kommission wurde durch den itrieg an ihren Arbeiten verhindert, sie hat niemals getagt, von ihren Mitgliedern eingereichte Vorschläge ruhen unbenutzt in irgendeinem Aktenschrank. Die ganze Angelegenheit, die damals als eine dringende betrachtet wurde, von vielen auch heute noch dahingehend angesehen wird, ruht. Der Krieg ist beendet, und wenn auch unsere politischen Verhältnisse nach innen und außen gewiß noch keine geordneten geworden sind, so dürfte doch die Zeit wieder gekotn» men sein, in der das stillgestandene Räderwerk der liberalen Tätigkeit wieder in Gang gesetzt werden muß. Allseitig erschallt der Ruf nach Arbeit, nach Wiederaufbau, nach neuem ersprießlichen Wirken, da dürfen auch wir nicht länger zögern, müssen auch wir wieder mit neuer Tatkraft an unsere Arbeit zum Ausbau des liberalen Judentums herantreten. In den „Richtlinien" wird unter den Forderungen, die „unerläßlich für das religiöse Leben der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Gotteshaus, Schule und Gemeindeleben sind", in erster Linie die würdige Ausgestaltung des öffentlichen Gottesdienstes gefordert. Die Dauer desselben soll erheblich gekürzt, Wiederholung von Gebeten vermieden werden; unter Festhaltung der hebräischen Sprache für die wichtigsten Gebete ist der deutschen Muttersprache im Gebet und Gesang ein breiter Raum zu gewähren, aus den Gebeten sind diejenigen Wünsche zu entfernen, die nicht in Wahrheit in unseren Herzen sind; einstimmiger Gemeindegesang, Thoravorlesung in hebräischer und deutscher Sprache sind einzuführen. Das alles bedingt ein neues Gebetbuch. Inzwischen sind sieben Jahre verstrichen, nichts ist geschehen, um diese gewiß nicht weitgehenden Forderungen zu verwirklichen. Die Männer, die damals diese Wünsche als notwendige und dringende betrachteten, sind teilweise alt und grau geworden, manche sind entschlafen, und die inzwischen herangewachsene neue Generation findet noch dieselben unerfreulichen Verhältnisse vor, die schon seit Begründung der liberalen Vereinigung als dringend abänderungsbedürftig anerkannt wurden. Sieben kostbare Jahre sind unbenutzt verstrichen. Die Schwierigkeiten, die sich der Aufstellung eines liberalen Gebetbuches entgegenstellen, sind inzwischen eher größer als kleiner geworden. Anschauungen haben sich gewandelt, neue Meinungen sind entstanden», die Gemeinden zeigen heute eine andersartige Zusammensetzung als damals. Das Anwachsen

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