Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 6 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- Seite 107 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 — legen am Aufbau jüdischen Lebens in Deutschland, so entscheidet euch und geht über vom Programm zur Aktion; von schöner Rede zur Tat! Ihr Jungen aber, die ihr das volle schwere Gewicht des Gesetzes nicht auf euch nehmen wollt oder könnt — Friede und Ehre denen, die es vermögen! —, helft auch dem deutschen liberalen Judentum aus der Versumpfung! Bergt euch nicht länger hinter dem bequemen Schild der Neutralität, sondern sagt: „Ich will", dann habt ihr gewonnen. Die jüdische Jugend will nicht der Dumme sein, der fragt: „Was ist das?" und der Antwort ausweicht, nicht der Unmündige, der nicht einmal die Frage wagt, nicht der Böse, der sie nicht für sich, sondern für andere stellt, nein, von jenen vier Brüdern unserer Hagada soll unsere Jugend dem Guten folgen, dem Treuen, der fragt: Was bedeutet m i r dieses Judentum, und der dann auch die Kraft zur Antwort findet. Wer sich entschieden hat, hat die Frage bejaht, die das Gewissen vorlegt. Wer der Entscheidung noch länger ausweicht, darf sich nicht wundern, wenn die Geschichte des Judentums und die nach auswärts strebende Schar der jüdischen Tatsucher unserer jüdischen Jugend über ihn hinweggeht. Worte der Erinnerung, Es bedeutet für den engeren Kreis derer, die in ununterbrochener Arbeit in unserer Bewegung stehen, einen besonderen Ansporn, wenn das Alter unsere Bestrebungen mit jugendlichem Eifer unterstützt. Noch immer bleibt ein Zusammenwirken von Jugend und Alter in unseren Vereinen eine Ausnahme; umso schmerzlicher empfinden wir dann die Lücke, die durch das Fehlen einer Persönlichkeit entsteht, die in langer Reihe von Jahren eine gedeihliche gemeinsame Arbeit ermöglichte. Vom Gefühl der Dankbarkeit durchdrungen und von Schmerz erfüllt, bringen wir an dieser Stelle zur Kenntnis, daß unser verehrtes außerordentliches Mitglied Frau Selma Bayer», die Mutter unseres lieben ersten Vorsitzenden, nach langem schwerem Leiden verschieden ist. Wer diese jüdische Gattin und Mutter in der ganzen Schlichtheit ihres Wesens kannte, wird mit uns den schweren Verlust empfinden, der uns alle durch ihr Ableben betroffen hat. Die Erinnerung an ihr Wirken und Schaffen wird in unseren Reihen nie schwinden. Der Vorstand des Iii zu Breslau.