Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. Seite 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 97 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2550626-2550633-2550638--133-2550849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 97 — des Versöhnungs- und der anderen Feiertage, eine Zusicherung von Lohn bei Befolgung der Gesetze und die Androhung schrecklicher Strafen bei ihrer Nichtbefolgung, sowie schließlich Angaben über eine Zählung des Volkes im allgemeinen, und der Leviten im besonderen. Aus all diesen Bestimmungen weisen wir nur kurz auf 16,21 hin, wo der merkwürdige Gebrauch befohlen wird, einen „Sündenbock" am Versöhnungstag in die Wüste zum ^Asasel" zu schicken. Man nimmt gewöhnlich an, daß es sich hierbei um einen heidnischen Gebrauch, um die Verehrung von Waid- und Wüstengottheiten handelt. Gegen die Beschuldigung, daß wir Juden in irgendeiner Form Blut zu rituellen Zwecken verwenden, merke man sich die Stelle 19, 23 ff:, in der mit allem Nachdruck der Genuß von Blut verpönt und mit Strafen bedroht wird. Nicht tief genug kann man sich Kapitel 19,1—4 und 19,9—18, sowie . l9> 3° bis zum Schluß des Kapitels einprägen. Hier wird die Forderung der Selbstveredelung des Menschen begründet, durch den Hinweis auf die Heiligkeit Gottes. „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott." Als höchste Blüte der Selbstveredelung wird gefördert: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." Wer dieser Nächste ist, sagt Vers 33—34. „Wenn sich bei dir ein Fremdling aufhält in eurem Lande, so sollst du ihn nicht bedrücken, wie der 'Einheimische, soll auch der Fremdling sein. Du sollst ihn lieben, wie dich selbst." Diese Sätze bereiten den christlichen Auslegern mancherlei Schwierigkeiten, da durch sie die Bezeichnung „christliche Nächstenliebe" als unrichtig erwiesen wird. Die „voraussetzungslosen Wissenschaftler" scheuen sich nicht, die Behauptung aufzustellen (Kautzsch, Die heilige Schrift des alten Testaments. 3. Aufl., Seite 171), die Warnungen vor Bedrückung und Übervorteilung des Nächsten steigern sich zu dem Gebot ihn zu lieben, wie sich selbst. Dabei ist allerdings unter dem Nächsten nur der Volksgenosse verstanden, und wenn das Gebot der Liebe auch auf den Fremden ausgedehnt wird, so ist mit letzterem nicht jeder beliebige Fremde, sondern fast immer ein Israelit von anderem Stamme gemeint. Was dieser gelehrte" Erklärer mit dem Hinweis anfängt „denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Ägypten", ist uns unklar. Seine Bemerkungen beweisen nur seine Verlegenheit: und sein Unvermögen, der Wahrheit die Ehre zu geben. Wir können es uns nicht versagen, auch auf die Praxis „der christlichen Nächstenliebe" g*egen Andersgläubige und besonders Juden hinzuweisen. Wie sich die Propheten zu dem Begriff des Fremdlings stellten, dafür mag als Beweis dienen der Anfang der Haph-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.