Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 96 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 — mit der judenheit sonst kaum erkennen lassen. Und, an diesem Tage müßte man ihrem Geiste oder ihrem Herzen etwas zu sagen haben, was sie aufhorchen machen müßte, was eine Saite ihres Innern und Schwingungen brächte, erklingen ließe. Ist der heutige Gottesdienst, auch der liberale dazu fähig? Bruno Woyda hat nur allzu wahr gesprochen und zumal denen aus der Seele, die gezwungen sind, dem Gottesdienste beizuwohnen; die Beruf oder abhängige Stellung verurteilen, ein schweres Opfer zu bringen. Oder ist es kein Opfer, wenn ich, dürstend nach einem belehrenden oder erbauenden Worte des Predigers, nach einem ergreifenden Sang: beim Anhören einer „Schimpfpredigt" oder einer trivialen Litanei körperlichen Schmerz, Wehe in der Brust empfinde? Wenn ich statt der erwünschten Andacht — Ärgernis erlebe? Glücklich, Herr Naümann-Liegnitz und Herr Stoll- Breslau, die gehen können oder nicht zu gehen brauchen; sie mögen aber an die Zahl derer denken, die nicht in ihrer Lage sind; die gehen müssen und die dem Juden tum mehr nützen als die große zu belehrende Menge. Um derentwillen mehr heiligen „Dienst zu Gott!" — Es soll noch oft und ergiebig über „unsern Gottesdienst" in diesen Blättern gesprochen werden, damit aber der Kampf kann sachlich geführt werden, schlage ich vor, die Namen der Verfasser nicht mehr zu nennen, sondern die Artikelserie mit ABC usw. zu signieren. Dieses Verfahren nimmt der Waffe ihre Schärfe und erreicht doch den Zweck. Und der Zweck heiligt hier das Mittel. — Für heute: C, zional nomina odiosa sant. Nochmals: Unser Gottesdienst. Die Ausführungen von Herrn Fritz Stoll-Breslau enthielten sachlich keine Widerlegung meiner Verwahrung gegen die Form des Woydaschen Artikels. Meine Bemerkungen, die auf Wunsch des hiesigen Iii erfolgten, mußten leider scharf sein, da der Artikel des Herrn Bruno Woyda-Berlin neben manchem Richtigen schwere Kränkungen für andersdenkende Glaubensbrüder enthielt. Mit Recht fürchteten wir, daß durch die Form des Vorgehens der erstrebenswerte Endzweck leiden würde. Robert Naumann - Liegnitz. Schrifttum und Literatur. Im Monat Mai werden aus der Thora vorgelesen 3. Mose, K. 16—4, M. K. 7 einschließlich. Diese Abschnitte enthalten Priester- und Levitengesetze, Bestimmungen über die Feier