Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 98 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 98 — tarah^um ersten unserer Wochenabschnitte, Arnos 9, 7. Seid ihr mir nicht gleich den Söhnen der Kuschiten (Äthiopier), ihr Söhne Israels, spricht der Ewige. „Habe ich nicht Israel aus dem Lande Ägypten geführt, wie die Philister aus Kaphtor und die Aramäer aus .Kir?" Hier wird also ganz klar ausgesprochen, daß Israel keinerlei Vorzug habe vor den anderen Völkern, daß es vielmehr gleichgeachtet werde, dem verachteten Sklavenvolk der Äthiopier, den Philistern und 'den damals am meist gehaßten Syriern (Aramäern). Aus der Haphtarah zum Beginn des 4. Buches (Bemidbar) führen wir die schöne Stelle an: Hosea 2, 14: Ich verlobe dich mir auf ewig, ich verlobe dich mir in Recht und Gerechtigkeit, in Liebe und Barmherzigkeit, ich verlobe dich mir in Treue, auf daß du Gott erkennst. Auch diese Stelle scheint uns bezeichnend für den Geist der Propheten und des Judentums. Nicht Liebe allein soll die Grundlage eines Bundes bilden, sondern auch Recht und Gerechtigkeit. Die schwächliche Nachgiebigkeit gegen die Fehler eines geliebten Menschen sollen durch die Gerechtigkeit ausgeglichen werden und der starre Rechtsgrundsatz soll mit Barmherzigkeit ausgelegt werden. Am Schowuaus(Wochen-)feste wird aus der Thora der Bericht über die Gesetzgebung am Sinai vorgelesen. Wir dürfen wohl voraussetzen, daß unsere Leser an den Festtagen die Synagoge besuchen und sich über die Wichtigkeit dieses Abschnittes wie auch der Haphtarah klar werden. Aus dem Talmud. R. Josua b. Levi sprach: Wer in der Jugend geheiratet hat, darf auch im Alter heiraten, denn es heißt: Am Morgen streue deine Aussaat und am Abend laß deine Hand nicht ruhen. R. Akiba sagte: Wer in der Jugend gelernt hat, der lerne auch im. Alter, und wer in der Jugend Schüler herangezogen hat, der tue dies auch im Alter; denn es heißt, am Morgen streue deine Aussaat und am Abend laß deine Hand nicht ruhen. Man erzählt, daß R. Akiba 24 000 Schüler gehabt habe und alle starben zu gleicher Zeit, weil einer dem andern nicht genügen^ Ehre erwies ... Alle starben zwischen dem Pesach- und dem Wochenfeste. R. Chania b. Abba sagte: Alle starben einen schlimmen Tod. Was ist dies? R. Nachmann sprach die Bräune . . . R. Tanchum sprach im Namen R. Chanilajs: Wer ohne Frau lebt, lebt ohne Freude, ohne Segen und ohne Güte. Ohne Freude, denn* es heißt: Du sollst dich freuen, du und dein Haus. Ohne Segen, denn es heißt, daß der Segen in deinem Haus ruhe. Ohne Güte, denn es heißt: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Jelamoth Fol. 62b.