Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 93 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 93 — Wahlvorbereitungen teilzunehmen und unsere Mitglieder haben es auch an Arbeitsfreudigkeit nicht fehlen lassen. Wir haben bei der Aufstellung der Kandidaten darauf hingewirkt, daß der Pseudoliberalismus zurückgedrängt wird, er nur dem Namen nach liberal ist, ohne tatkräftig für liberale Gedanken einzutreten. Wir haben darauf gedrungen, daß die neuen Repräsentanten Männer der Tat sind, die sich durch keinen gegnerischen Stimmenaufwand abschrecken lassen für das liberale Judentum zu arbeiten. Die Wahlen haben gezeigt, wie bedeutungsvoll es für die Jugend ist, wenn ihr im Parteiverein Gelegenheit geboten wird, nicht bloß durch schöne Reden in Vereinsversammlungen), sondern mit der Tat für das Judentum und seine Fortentwicklung zu arbeiten. Unsere Erfolge mögen ein Ansporn sein für unsere Vertrauensmänner darauf hinzuweisen, daß bald an jedem Ort ein jüdischliberaler Jugendverein entstehe, auf daß die liberale Jugend und ihr Wollen bei jüdischen Entscheidungen nicht übergangen wird. Aber auch die liberalen Rabbiner möchten diesen Vorgängen Beachtung schenken; die liberale Jugend sieht in ihren Rabbinern die geborenen Führer im jüdischen Leben. Es wäre sicher nicht im Interesse des liberalen Judentums, wenn die Rabbiner sich die Möglichkeit entgehen ließen, jüdisches Wissen und freien jüdischen Geist in der liberalen Jugend zu verbreiten, um dem liberalen Judentum die Renaissance zu verschaffen), die bereits im Werden begriffen ist. Der schönste Lohn unserer Mitarbeit an dem Wahlerfolg wird es sein, wenn die Breslauer Wahlen zur Repräsentantenversammlung für die liberale Judenheit ein Weckruf sein werden, aus dem Dornröschenschlaf, dem das liberale Judentum während des Krieges verfallen war, endgültig herauszutreten und mit Entschiedenheit und mit Zusammenfassung aller Kräfte für die liberalen Ideen einzutreten. Bettsack-Breslau. Wahlprogramm des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde. Die jüd. Gemeinde ist eine Religionsgemeinde. Wir lehnen ihre Umwandlung in eine Volksgemeinde (politische Vertretung der Juden als einer nationalen Minderheit) ab. Wir bekämpfen alle nationaljüdischen Bestrebungen innerhalb unserer Gemeinde. Wir fordern I. auf religiösem Gebiet: