Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2550626-2550633-2550638--128-2550844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 92 bringen, wie noch nie die Orthodoxie eine Entwicklung religiösen Geistes gestattet hat, und ihr noch fluchte, selbst dann, wenn es nicht in ihrer Macht lag, die Entwicklung aufzuhalten. Wenn die Vereinigten Parteien die Oberhand in Breslau errungen hätten, so wäre von einem religiösen Fortschritt nicht mehr viel zu spüren gewesen. •Wenn wir nun ins eigene Lager blicken, so dürfen wir auch hier nicht scheuen, «unter Anerkennung des Geleisteten und es ist viel geleistet worden, an vorhandene Gebrechen die Sonde der Kritik zu legen. In der Natur des diesjährigen Wahlkampfes lag es, daß/, infolge der Manöver der Vereinigten Parteien, das Hauptgewicht darauf gelegt werden mußte, die Wählerschaft darüber aufzuklären, daß die Nationalhebräer versuchten, Zutritt zur Repräsentantenversammlung zu erlangen. Zum Leidwesen von uns Jungliberalen mußten hinter dieser Aufklärungsarbeit unsere Forderungen zurücktreten^ die wir in langen Beratungen, wesentlich unterstützt durch einen Entwurf des Berliner Brudervereins, aufgestellt hatten, Forderungen, die uns sehr am Herzen lagen, weil sie dringliche Maßnahmen zum Ausbau und zur Hebung des Interesses der Gemeindemitglieder betrafen, wie Vermehrung der Rabbinerstellen, Einteilung der Gemeinde in Unterdistrikte, durchgreifende Erneuerung des Religionsunterrichtes, Weiterentwicklung des Gottesdienstes. Der Wahlkampf hat gezeigt, wie sehr wir Liberalen eines Aktionsprogrammes bedürfen, das auf Grund der Richtlinien die Tages forder ungen der liberalen Judenheit enthält. Wenn wir in dieser Beziehung uns den taktischen Erwägungen unserer Führer gebeugt haben, so halten wir daran fest, daß wir ein genaues positives Programm benötigen und wir werden künftig dafür eintreten, daß ein liberales Programm nicht bloß folgende kurze Sätze enthält: {„Wir erstreben ein innerlich gefestigtes, glaubenstreues Judentum, Erziehung der Jugend zu freudigen, der Bedeutung des Judentums bewußten Bekennern,, Verbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens: Ausgestaltung des Gottesdienstes in zeitgemäßen Formen. Wir wollen nicht, daß durch Erstarrung des religiösen Lebens die Entwicklungsfähigkeit des Judentums gehemmt und damit der Einfluß auf das lebende Geschlecht, vor allem auf die Jugend verloren gehe. Wir fordern weitgehende Betätigung der Gemeinde in sozialem Sinne, Gleichberechtigung der Frauen, Heranziehung der Jugendvereinigungen zur Mitarbeit am Gemeindeleben." Zum ersten Male seit Bestehen des Jugendvereins war uns Gelegenheit geboten, in weitgehendster Weise an den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.