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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. Seite 91

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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— 91 — ethnographischen Museen mit mehr oder weniger Stolz dem Volke zeigt. Wir können aus der verflossenen Wahlzeit das Bewußtsein mitnehmen, daß wir in klarer Erkenntnis der Sachlage keine Schuld an dem Eindringen der Zionisten tragen, sondern uns tatkräftigst dagegen gewehrt und alles getan haben, um diel Wählerschaft in diesem Sinne aufzuklären. Es ist noch nicht ganz heraus», welche Stellung der Zionismus einnehmen wird, wenn das Judengesetz von 1847 'fällt; denn dann wird auch die heißersehnte Demokratisierung vorgenommen werden können, dann wird aber auch die jüdische Gemeinschaft sich gemäß den Bestimmungen der Reichsgesetzgebung als religiöse Gemeinschaft zu konstituieren haben, wenn sie als öffentlich rechtliche Körperschaft weiter bestehen will. Heute geht noch der Zionismus mit einem gewissen Schein von Recht damit hausieren, daß im Gesetz von 1847 es nirgends klar ausgesprochen ist, daß die jüdischen Gemeinden die Zusammenfassung religiöser Gemeinschaften sind, sondern, daß man es der Ausdeutung überläßt, auch nationale Gedanken hineinzulegen. Diesen Standpunkt wird der Zionismus dann wohl kaum noch aufrecht erhalten können, man kann aber, ohne den Propheten zu spielen, behaupten, daß auch dann, wie bisher, der Zionismus Schliche und Wege finden wird, sein Parteisüpplein zu kochen. So hat der Wahlkampf sein wesentliches Aussehen durch die zionistische Agitation erhalten und so fand man auch in den gegnerischen Flugblättern stets und überall zionistische Gedankengänge voranstellen, obwohl die orthodoxen Kandidaten als erste auf der vereinigten Liste prangten. In einem der mit Schlagworten angefüllten Blätter erhält die Zentralvereinsgesinnung der Liberalen ihre Zurechtweisung mit der wohlklingenden Sentenz. „Jüdisch ist selbstbewußter Geist — unjüdisch ist das Ducken und die bleiche Furcht vor Antisemiten." Oder im Hinblick auf die wohlverständliche Zurückhaltung der Liberalen bei der Durchführung der jüdisch-nationalen Arbeiten: „Jüdisch ist die Mitarbeit an jeder großen jüdischen Sache, unjüdisch ist das Suchen nach Bedenken, die sie scheitern lassen." Ueberhaupt wurde eine Verschwendung mit dem Worte jüdisch getrieben*, die den Mangel an inneren jüdischen Werten zu ersetzen versuchte. Als einziger orthodoxer Programmpunkt kann die Auslassung gewertet werden: „Jüdisch ist Toleranz nach rechts und links unjüdisch ist die Vergewaltigung religiöser Formen durch Fanatiker der Reform". Hinter der fett gedruckten Toleranz sieht man den Pferdefuß, daß jede Entwicklung der Religion als Ausfluß .„fanatischen Geistes" behindert werden muß. Es hieße Etilen nach Athen tragen, hier Beispiele zu

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