Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 90 — Reinlichkeitsgründen es stets bekämpfen, daß politische Parteien, unter welcher Vermummung es auch sei, sei es Centraiverein, sei es Zionismus, Zutritt zur Gemeindevertretung erhalten, um dort politische Kämpfe zu entfesseln. Hat man früher demonstriert, daß christliche oder konfessionslose Zionisten im Rahmen der zionistischen Bewegung wohl vorhanden sein könnten, ohne daß sie irgendwo mit zionistischen Anschauungen in Konflikt geraten brauchten, so liegt bei den Gemeindevertretungen der viel konkretere Fall vor, daß Zionisten rechtsstehender religiöser Richtung von religiös-freiheitlich denkenden Zionisten in die Repräsentanz berufen werden, oder in Streitfragen religiöser Natur zionistische Repräsentanten aus taktischen Gründen mit der orthodoxen Richtung paktierten, was alle Wahrscheinlichkeit für sich hat. Wir wollen aber auch auf Ehrlichkeit halten und wenn man zionistischen Stimmen Glauben schenken darf, dann ist es der Zionismus, der in Palästina ein Volk mit neuem Ethos schaffen will, das für das unmoralische Europa zum Vorbild dienen soll. Wir möchten dem Zionismus raten, bereits hier / im alten Europa damit zu beginnen und nicht in einer Weise auftreten», die jeder Ehrlichkeit widerspricht, die aufrechtzuerhalten man sich auch im heftigsten Kampf bemühen sollte. Ist es das neue Ethos, wenn man in großen zionistischen Volksversammlungen von der Notwendigkeit der Durchdringung der Judenheit mit nationalen Gedanken spricht, nicht durch den Miund unbedeutender Parteigänger, nein breit ausgeführt von ersten Parteigrößen, die man sich eigens aus Berlin verschrieben hat. wenn man den Grundstein hierzu in hebräischen Schulen legen will, die man schämig unter dem Namen jüdisch-konfessioneller Schulen aufmachen willens ist, und ist es dann das neue Ethos, wenn man unter der Tarnkappe der Vereinigten Parteien keck bestreitet, je für jüdische Separatschulen eingetreten zu sein? Es ist hier nicht der Raum, um näher auf diese jetzt wieder eifrig diskutierte Frage jüdischkonfessioneller Schulen einzugehen, sie ist aber der eingehendsten Beachtung seitens des jüdischen Liberalismus wert und es wäre erwünscht, wenn dieses Problem auch in diesen Blättern von berufener Seite erörtert würde. Es kommt sicher die Zeit, wo auch die rechtsstehenden Kreise im deutschen Judentum es bedauern werden, durch kurzsichtige Verblendung ihrer Führer verführt, dabei mitgeholfen zu haben, dem Zionismus Zutritt zur Repräsentanten- Versammlung verschafft zu haben, jener Partei, die es sich zum Ziele gesetzt hat, eine hebräische Volksgemeinschaft aufzurichten, in der der religiöse Gedanke jene Rolle spielt, wie in unserer Kultur die Raritäten, die man in Altertums- oder